Barolo und Freunde – eine Probe mit gereiften Piemontesern

Barolo und Freunde – eine Probe mit gereiften Piemontesern

Eine Piemont-Reise vermochte es, unseren Weinblog-Freund Norbert neu für die Weine aus Barolo und Umgebung zu gewinnen und sich doch noch in den Nebbiolo zu verlieben. Die Weine ließen ihn nicht mehr los, und so lud er nach Oberhausen ein auf eine schöne Probe mit gereiftem Barolo, Barbaresco und Brunello. Das Essen wurde vortrefflich auf die Weine abgestimmt, mit einem fantastischen getrüffelten Carne Cruda und, nicht gerade piemontesisch, aber geschmacklich höchst verlockend, einem Dry-Aged-Nebraska-Rind direkt aus dem Beefer. Die Weine gingen zurück bis in die siebziger Jahre, so waren wunderbar mürbe Barolos zu erwarten. So richtig überraschen sollten uns aber an diesem Abend etwas anderes.

Christmann Riesling trocken Königsbacher Idig Großes Gewächs 2004

Den Anfang machte aber erstmal ein Riesling, der so gut war, dass er hier nicht unerwähnt bleiben soll. Der Idig aus dem Superjahr 2004 präsentiert sich üppig, konzentriert, aber nicht mit zu viel Körper. Reifenoten, kräuterig, etwas malzig, getrocknetes Steinobst, Schalen, kandiert, Kandis, saubere, getrocknete Frucht, steinige Mineralität, am Gaumen getrocknete Früchte, dicht und lang am Gaumen, sehr geschmackig, ganz reife Zitronencreme, schön wässerig. (91-93 Punkte)

Barolo-Reihe-1

E. Pira & Figli Barolo 1979

Sehr gereifte Nase, viel Unterboden, Mottenkugeln, dahinter rote Früchte, nicht stark störende Lacknoten, diese im Barolo charmanten welken Blüten, auch im Antrunk saubere rote Früchte und viel Erde, bereits stark gereift, die Säure überlagert die Frucht, der Körper ist im mittleren Bereich, der Wein bleibt in seiner verschlankten Spur, auch der Abgang hat bereits gelitten, schön aber ist die wässerige Textur bei guter Konzentration. Zwar nicht komplex, aber in Würde gereift, und gerade so noch lebendig. (82-85 Punkte)

Paolo Scovino Barolo 1982

In der Nase etwas Muff, auch oxidative Noten, wirkt gedeckt, ein Quentchen Rauch, die verbleibende rote Frucht wirkt konzentriert und etwas süßlich, schöne Reifenoten, im Antrunk dann aber deutlich weniger gereift, rote Kirschen, Kirschkerne, Teer, etwas Rosenaromen, schöne Würze ohne Erdigkeit, hat viel Ausdruck, entwickelt sich im Glas sehr gut, hat auch durchaus noch Power, insgesamt noch schön im hinteren Trinkfenster. Nase und Mund gehen aber bereits auseinander. (88 Punkte)

Paolo Scovino Barbera d’Alba 1985

Ein Duft von Lack, schwarzen Früchte, sehr reife Frucht, kompottige, rosinige, pflaumige Nase, auch Madeira, Veilchen, Lakritz, dazu Tabakblätter, welke Blumen, auxh etwas leicht Animalisches, trotzdem hat die Nase Ausdruck, im Antrunk dann rote Früchte, kühl anmutend, recht schlank, wieder oxidative Noten, dazu eine spitze Säure, das wirkt mit der flüchtigen Frucht und dem verschlankten bereits karg, man hat nur eine Ahnung der sicher mal dichten, ausdrucksstarken Frucht dieses Weins, das Tannin ist noch nicht zu welk, doch der Wein hat etwas Zehrendes und baut stark ab. (76-82 Punkte)

Barolo-Reihe-2

Verzio Vendemmia Barolo 1980

Schöne würzige Nase, Schokolade, reife schwarze Kirschfrucht, getrocknete Kräuter, Maggi, im Antrunk ist der Wein noch richtig gut in Form, rote Früchte, gereifte Tannine, sogar noch etwas Spannung, roter Tee, wässerige Textur, doch fehlt es leider an Ausdruck und Länge. Bei aller Feinheit und sauberer Frucht, Komplexität und Spiel bauen sich nicht mehr auf, auch wirkt er bereits etwas zehrend. (82-85 Punkte)

Michele Chiarlo Barolo Riserva Rocche di Castiglione 1983

Wieder eine würzige Nase, diesmal mit Tabakblättern, getrockneten, süßlichen Kräuter, auch Minze und ätherischen Noten, der Duft vermittelt Extrakt und Süße, was sich im Antrunk dann bestätigt, Extraktsüße, dazu würzige, welke Rosenblätter, getrocknete rote Früchte, duftiger, ernster, tiefer Auftritt, intensiv florales Aroma, Teer, Veilchentöne, rote Würze, der Wein hat Kraft, bleibt aber noch im Zaum, wässerige Textur. Wunderschön ist diese raffinierte rotwürzige, etwas wilde wirkende, teerige Note, schöne vollaromatische Länge, dazu eine grippige Säure und schöne abgeschmolzene Tannine. Wundervoll. (93 Punkte)

Renato Ratti Barolo Marcenasco Rocche 1983

In der Nase etwas schlanker, Kirschen, Kirschkerne, feine rote Würze und getrocknete Kräuter, leises, feines, dezentes, aber komplex wirkendes Bukett. Luft tut dem Wein gut, es fügen sich Leder, feine schwarze Schokolade, Tabakblätter hinzu, nichts überbordend, eleganter Auftritt. Im Antrunk wirkt der Wein noch duftiger, Frucht und Kräuter sind eng verwoben, dazu eine Tabaknote, eine ganz feine extraktsüße Spitze, präsente Säure, am schönsten aber ist der Verlauf, der seine ganze eigene Dramaturgie hat, sehr rund, nichts stört, alles ist genau an seinem Platz. Hinten bleibt eine schöne Veilchen-Rosennote stehen, und das ziemlich lange. Das kann großer Barolo. (95 Punkte)

Barolo-Reihe-3

Cisa Asinari dei Marchesi Di Gresy Barbaresco Camp Gros Martinenga 1985

Dunkle floral-würzige Nase, Algen, eingekochte reife Schwarzkirschen, die Frucht fächert in der Nase nicht so auf, etwas alkoholischer Duft, dunkle Röstnoten, Teer, im Antrunk dann eine sehr dichte, schwarze Frucht, Teer, Tee, Rosenblätter, Schwarzkirsche, Schokokaramell, große Intensität, einige Wucht, ordentlich kernige Tannine, etwas Speck, Graphit, ein Extraktmonster, hinten heraus verpackt er das nicht alles und es fehlt ihm etwas die Frische. Wirkt noch jung und unentwickelt. Zur Zeit ein hocharomatischer Blockbuster, vielleicht tut sich hier aber noch was. Wir vergeben ein Plus, sind aber dann doch überrascht, wie alt der Wein schon ist. (91-93 Punkte)

Cisa Asinari dei Marchesi Di Gresy Barbaresco Camp Gros Martinenga 1993

Eine schöne duftige rotfruchtige und kräuterige Nase, Mandeln, Kirschkerne, Graphit, intensiv und konzentriert, im Antrunk dann rote Früchte, Tabakblätter, richtig viel Extrakt, trotzdem bleibt der Wein trocken, noch adstringierende Tannine, ganz offensichtlich deutliich jünger, einige Kraft, bleibt aber ansatzweise elegant, der Abgang hat Länge mit kräuterigen, auch stengeligen Aromen. Schöner Wein, aber ohne Auffälligkeit. (88-92 Punkte)

Ceretto Bricco Rocche Barolo Brunate 1985

Rote Frucht, welke Rosen, Unterboden, feine Würze, eine gereifte, tiefe Nase, im Antrunk roter Tee, intensive Frucht, etwas Fleisch, welke Rosen, sehr ausgeprägt rotfruchtig, rote Würze, auch Muskatnuss, leichte würzige buttrige Note. Ein ganz klassischer Barolo, schön gereift und noch gut in Form. Er bleibt in der Spur, ein schöner Verlauf mit Reifetönen, eine Textur von rotem Tee, auch die Säure ist reif, aber noch vital, ein gereifter Barolo auf dem Punkt. (93 Punkte)

Tenuta Caparzo Brunello di Montalcino Vendemmia 1985

Gecrunchte Kräuter und viel Mineralität, Graphit, dazu ein sehr duftiger, rotfruchtiger Duft, dabei durchaus komplex und sich stetig wandelnd, im Antrunk trocken, sehr feine Tannine, die Frucht auch hier sehr duftig, auch rote florale Noten, Mandeln, ein relativ schlanker Körper, sehnige Struktur, mit guter Spannung, insgesamt duftig, frisch, leicht und elegant, ein feiner Abgang, ein feiner Wein. Mit seiner tänzelnden leichten Art etwas schwierig im Vergleich zum Barolo zu trinken. (93 Punkte)

Barolo-Reihe-4

Dosio La Mora Barolo Vigna Fossati 1982

Dezente, aber sehr feinduftige Nase mit Kirschen, feine Frische, frische florale Aromen, Kräuter, tief und mineralisch, im Antrunk eine starke, sehr grippige und nachhaltige Säure, dadurch umgemein frisch, junges Tannin, das ebenso wie die Säure noch nicht ganz so gut integriert wirkt, dadurch wirkt der Wein etwas zu karg, die Bestandteile stehen etwas nebeneinander. Ob es sich noch zusammenfügt? (87-88 Punkte)

Dosio La Mora Barolo Riserva Speciale 1971

In der Nase rote Würze, Maggi, ganz viel Frucht, Kirschen, Kirschkerne, im Antrunk ein guter nachhaltiger Säuregrip, sehr gut integriert und mit der Frucht zusammenwirkend, die Frucht fächert schön auf, ungemein aromatisch mit schöner Würze und Noten von rotem Tee, leichte Schokonoten, sehr harmonischer Abgang, einige Länge. Ein weiterer klassischer, feinsinniger, feinduftiger Barolo mit deutlicher Säure, in einem hervorragenden Trinkfenster. Wenn er weniger Brühwurfel hätte, wäre er ein richtig großer Wein. Beim Aufdecken geht ein Raunen durch den Raum. So viel Fitness nach über 40 Jahren! (91-94 Punkte)

Monprovato Mascarello Barolo 1997

In der Nase Weihnachtsgewürze, dazu Kräuter, Tabak und Trockenfrüchte, auch eine Nadelholznote, die Frucht ist bedeckt von den herben Noten, jemand sagt Mottenkugeln, alle nicken danach, auch im Antrunk gewürzige Noten, Spekulatius, süßliche Anmutung vom Extrakt, leider uncharmante grobe Tannine, am Ende bleibt auch eine Muffigkeit, was aber insbesondere nicht gefällt, ist das Glycerin, die Frucht wirkt überreif, eingekocht. (87 Punkte)

Barolo-Reihe-5

Aldo Conterno Barolo Soprana 1998

In der Nase duftige Himbeeren und Erdbeeren, auch etwas laktische Noten, dazu passend Holzwürze, Holzsüße, alle halten den Wein für viel jünger als er ist, im Antrunk eine ausdrucksstarke Frucht mit Himbeeren und Kirsche, ein richtig femininer Barolo, sehr fein und transparent, teeartige Textur, auch etwas salzig, seidig, glockenklare Frucht. Wir wünschen uns diesen Wein zur Wiedervorlage in sieben, acht Jahren. Sind uns nach dem Aufdecken aber dann doch nicht mehr so sicher. (90-91 Punkte)

Massolino Barolo Vigna Rionda 2001

In der eher dezenten Nase Kirschen, Zitruszesten, Herrenschokolade, sehr klarfruchtig, eine kleine Holznote, etwas Teer und Rose, im Antrunk straff am Gaumen, etwas Süße vom Extrakt, vielleicht auch leichte Restsüße, klar und geradliniger Stil, knackjung, muskulös, aber fein, Kirschkernigkeit, ordentlich Gerbstoffe, junges Tannin, hat tolles Potenzial, wirkt aber schon jetzt elegant und spannungsgeladen. Auch ein moderner Barolo kann also was! Es wäre schön, das nochmal gereift verkosten zu können. (91-92+ Punkte)

Silvio Grasso Barolo Bricco Luciani 2001

In der Nase Fenchel, getrockneter Speck, etwas reifere Frucht, im Antrunk dann etwas mehr Teer, Kirschen, die Frucht wirkt noch reifer, hat etwas Extraktsüße, Haselnuss, mehr Holz, Röstaromen, ganz hinten wird der Wein etwas bitter, ein ansatzweise gereifter Wein, der noch viel Zukunft hat. Die Tannine sind noch etwas rauh. Die Frucht sehr reif. Insgesamt aber ein schöner, generöser Wein mit reifem Stil. (87-91 Punkte)

Barolo-Reihe-6

Cigliuti Barbaresco Serraboella 1982

In der Nase säuerliche schwarze Kirschen, dazu Teer und Kräuter, im Antrunk dann mehr eine schwelgerische rote Frucht, Kirschen und Beeren, getragen von einer schönen Extraktsüße, etwas Kaffee, durchaus kräftig, auch wärmend, die Tannine sind schön abgeschmolzen, leider ist der Abgang hinten nicht ganz so lang und der verliert etwas den Fokus, trotzdem ein schöner, sehr geschmackiger Wein, der längst nicht so weit gereift wirkt, wie er ist. (91-92 Punkte)

Cigliuti Barbaresco Serraboella 1998

In der Nase ungemein konzentriert, ganz viel Graphit, Kirschkerne, eine leichte animalische Note, Pfeffer, Gewürze, vielfältig, vielschichtig, Abrieb von Zitrus, im Antrunk sehr konzentriert, aber genauso viel Frische, fleischig, deftig, wieder viel Mineralität, intensiv, aber ungeheuer filigran und tänzelnd, sensationell guter Holzeinsatz, eine starke, förmlich pulsierende Säureader. Unfassbar tief und ganz viel Ausdruck, und trotzdem noch jugendlich. Ein wahrhaft großer Gänsehaut-Wein, der alles auf den Punkt zum Ausdruck bringt. Und reifen muss. Das ist so graßartig! (96-98 Punkte)

Cigliuti Barbaresco Serraboella 2004

Und es geht sensationell weiter. In der dezenten, aber raffinierten Nase Kirschen, auch Waldbeeren, leichte Lacktöne, aber umso mehr mineralische Noten, Graphit, etwas Teer, im Antrunk eine tiefe rote und schwarze Frucht, leichte florale Noten, wieder diese Haselnüsse, etwas Laub, Kirschkerne, eine richtig straffe Säure, die Frucht explodiert am Gaumen, sehr dicht, klarfruchtig, hinten heraus werden die Tannine präsent, eine kleine Marzipannote. Sehr expressive Frucht, förmlich primärfruchtig, damit ein ganz großer Genuss, ein jugendlicher Wein, der jetzt schon auf höchstem Niveau zugänglich ist. (94 Punkte)

Barolo-Reihe-7

La Spinetta Barolo Vigneto Campe 2000

In der Nase neben der roten und schwarzen Frucht eine schöne rote Würzigkeit, auch Würze vom Holz, dazu leicht holzsüß, im Antrunk eine konzentrierte, glockenklare, recht tiefe, auch frisch wirkende Frucht, noch etwas durch das Holz gedeckt, leicht schokoladig und auch speckige Noten, die Tannine sind noch trocknend, auch Trockenfrüchte, getoastetes Holz, moderner Barolo-Stil, jetzt noch viel zu jung. Ganz viel Potenzial. (95+ Punkte)

Altesino Brunello di Montalcino Riserva 1990

In der sehr duftigen Nase Kirschen, Kirschkerne, primärfruchtig ohne Ende, im Antrunk von Extraktsüße getragene rote Früchte, eine tiefe frische Zitrus-Kräuterader, mineralische Noten, ausgewogen, etwas röstig, das Holz ist aber sehr gut eingebunden, keinerlei Reifenoten, ein frischer, intensiver, langer Abgang. Der Wein steht wie eine Eins und hat ganz sicher noch viel Zukunft, und das nach 25 Jahren! <i<(93 Punkte)

Giacomo Fenocchio Barolo Bussia 2010

Und zum Schluss wurden wir nochmal richtig wach! Eine allein limonadenhaft duftige Nase mit Himbeeren und Erdbeeren, mehr kommt da nicht, im Antrunk geht es so weiter, neben den Beeren eigenartig süß, rumtopfig, karamellig, honigartig, Milchschokolade, aber auch kohlig, der Wein geht aromatisch aus dem Leim. Das Tannin trocknet etwas, die Säure nimmt keine Form an. Der Abgang ist kurz, hinten bleibt die völlig von kompottiger Süße getragene Frucht stehen. Offenbar modern, sehr reife Frucht und irrsinnig jung. Trotzdem stellt mich der Wein vor Rätsel. Eine Bewertung lasse ich daher aus.

6 Gedanken zu „Barolo und Freunde – eine Probe mit gereiften Piemontesern

  1. Immer interessant über eine Degustation mit älteren Baroli etc. zu lesen. Aber gar nicht einverstanden bin ich mit Ihrer Meinung, dass 1982 ein schlechtes Jahr im Piemont war (Paolo Scavino Barolo 1982 Guter Wein aus eneim schlechten Jahr). ich trinke noch mit Hochgenuss 1982 Monprivato oder diverse Giacosa’s.
    Beste Grüsse
    Walter Meier

    1. Vielen Dank für den Hinweis, und die Korrektur! Sie haben natürlich recht, 1982 war alles andere als ein schlechtes Jahr im Piemont. Der Satz ist ganz offenbar in die falsche Beschreibung gerutscht. Besten Dank für solches Feedback, das ist uns immer ganz wichtig! Herzliche Grüße!

    1. Hallo Herr Schneider,

      in Deutschland ist es leider schwierig. Ein paar Angebote zum Dolcetto und Barbera gibt es, so sagt es der Wine-Searcher:
      http://www.wine-searcher.com/find/cigliuti/1/germany.

      Wenn Sie nach neuen Weinen suchen, würde ich empfehlen, einfach mal beim Weingut anzufragen. Das war bei mir oft der erfolgreichste Weg, da ja nicht jeder Händler recherchierbar ist. Zumal kann man in Italien eigentlich auch recht gut direkt bestellen: http://cigliuti.it/en/contacts/

      Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Freude mit den Weinen!

      Beste Grüße,
      Thorsten Mücke

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