Kreta auf den Punkt gebracht – die Dafnios-Weine von Nikos Douloufakis

Kreta auf den Punkt gebracht – die Dafnios-Weine von Nikos Douloufakis

Aus Kreta kamen vor ganz langer Zeit die großartigsten Weine Europas, so besagen es antike Funde. Heute ist es als Weinland in einer Nische verschwunden. Zu unrecht, denn wie in vielen anderen Gebieten auch gibt es hier seit den Neunzigern einige moderne, ambitionierte Winzer, die mit viel Ambition versuchen, Qualität und Herkunft in ihren Weinen herauszuarbeiten. Einer der wichtigsten unter ihnen ist Nikos Douloufakis. Er hat das Weingut seines Großvaters und seines Vaters in den letzten zwanzig Jahren einer schonenden Frischzellenkur unterzogen und setzt heute durchgehend auf Bioanbau. Vor allem aber verbindet er Qualität mit Vernunft und Geschick in der Vermarktung. Sein Sortiment ist vielseitig. Er setzt auf autochthone Weine, aber auch auch auf die üblichen internationalen Sorten.

Douloufakis‘ Weine gibt es in allen Preisklassen und in allen Vertriebskanälen, in den Tavernas, in Hotels, in der gehobenen Gastronomie, in Supermärkten, am Flughafen und in Feinkost- und Regionalshops auf der Insel. Sie sind in ganz Griechenland und sogar in Deutschland erhältlich. Vor allem aber kann man die Weine ruhigen Gewissens bestellen, denn sie sind durchweg sauber und gut. Sehr interessant und mittlerweile sogar verhältnismäßig bekannt sind die beiden Dafnios-Weine aus dem Heimatort von Douloufakis, wenige Kilometer südlich von der Hauptstadt Heraklion. Mich hat in letzter Zeit die Neugier auf Kreta und Griechenland gepackt, daher sind die beiden ein Muss für diese Probierstube hier.

Douloufakis Dafnios rot, 2014

Der rote Dafnios ist vielleicht einer der bekanntesten Weine aus Kreta. Dafür gesorgt haben unter anderem gute Bewertungen durch Robert Parker und Mark Squires. Der Wein besteht zu 100 Prozent aus Liatiko, der klassischsten, ältesten und vornehmsten der roten kretischen Rebsorten. Aus der Traube werden auf Kreta schon seit Ewigkeiten hochwertige süße Likörweine erzeugt. Aber auch für den trockenen Stil von heute hat sie hervorragende, in der Weinwelt leider weitgehend verkannte Anlagen. Der Dafnios reifte neun Monate in Zweit- und Drittbelegung im Eichenfass, ein Teil wurde aus dem Stahltank dazu cuveetiert, um die Fruchtigkeit zu betonen.

Im Glas rubinrot, glänzend, klar, jung, leichte Kirchenfenster. In der Nase ist der Wein eigen, Trockenfrüchte, Aprikosen, schwarze Beeren, auch süßer Tabak und dunkle Kräuter. Der Duft ist primärfruchtig mit einiger Würze, genau die Verbindung, die Liatiko ausmacht. Im Antrunk eine schöne Beerigkeit und Schwarzkirschen, die Frucht wird auch hier wieder rotwürzig und kräuterig gestützt. Der Wein ist trocken. Extrakt und süßes Tannin sorgen für einen delikaten Eindruck. Die Säure ist sehr präsent, zusammen mit den Gerbstoffen ist viel los im Glas. Ganz hinten im Nachhall schimmert auch ein für 14 Prozent erstaunlich geringes Quentchen Alkohol durch. Was den Wein wirklich auszeichnet, ist sein eigenständiges Aroma mit dunklen Beeren, Schwarzkirschen, viel Frucht und ordentlich Frische. Hinzu kommen diese etwas herben Trockenkräuter, die Gewürzigkeit, irgendwo habe ich sehr passend von Weihrauch gelesen, auch etwas dunkle Schokolade. Der Körper ist trotz des Alkohols  im mittleren Bereich. Es stellt sich Trinkfluss ein. Das Aroma zieht sich in die Länge, was mir wirklich gut gefällt. Der Dafnios ist ein Wein mit Herkunft, nicht zu geschliffen und mit guter Frische.

Blind hätte ich diesen Wein nach Italien gesteckt und weniger Alkohol darin vermutet. Er ist sauber, duftig, bietet Struktur und Trinkigkeit und taugt wirklich als Aushängeschild für die uralte würzig-aromatische Liatiko-Traube. Nicht nur, weil er gerade mal 9 Euro kostet, ist er ein ausgezeichneter Weinwert. (Aus dem Weinhandel für 8,95 Euro, 89 Punkte)

Douloufakis Dafnios weiß, 2015

Auch mit dem weißen Dafnios setzt Douloufakis auf eine typisch kretische Rebsorte, die Vidiano, die wiederum nahe verwandt ist mit den anderen, wahrscheinlich noch älteren autochthonen Vilana und Thrapsathiri. Die Trauben ergeben aprikosige, limonige, kräftige Weine mit guter Säure.

Ein ganz klares helles Gelb im Glas. In der Nase Frucht über Frucht, viel Zitrus und grüne Früchte, Kiwi, etwas Handcreme, das wirkt richtig stoffig. Blind würde ich sofort auf einen jungen, sehr gehaltvollen Riesling tippen. Und auch direkt im Antrunk würden noch keine Zweifel daran aufkommen. Der Wein ist trocken und extraktreich. Die Säure macht’s, reif und trotzdem etwas resch sorgt sie für Frische. Im Mund bietet der Wein ganz viel Zitronenaromen, dazu Aprikose. Dann geht der Wein seinen eigenen Weg, er hat herbe Aromen, Gerbstoffe, die für einen zur Zeit etwas ruppigen Grip am Gaumen sorgen. Vor allem aber kommt die ordentliche Kraft des Weins durch, mit zunehmender Wärme im Glas entsteht ein Alkoholfähnchen. Gekühlt bleibt das voll im Griff und der Wein voll in der Spur. So lässt er nicht an heißes Klima denken, die Säure steht gut da, auch an den Aromen ist nichts zu reif, der Wein ist sogar eher crisp als cremig. Zu Kreta passt das. Hier soll Weißwein erfrischend den Gaumen bespülen. Mit dem weißen Dafnios gelingt das Nikos Douloufakis auf sehr gutem Niveau.

Den Wein kann man sich zu vielen Speisen gut vorstellen, vor allem zu kräftigem Fisch vom Grill. Solo ist er mir etwas zu kantig und kräftig, aber das ist Geschmackssache. An Vielschichtigkeit und Raffinesse steht er seinem roten Bruder etwas nach. Doch er ist sauber, frisch und gelungen, und vielleicht wird mit etwas Flaschenreife auch noch etwas weicher. (Aus dem Weinhandel für 7,85 Euro, 86 Punkte)

Was bleibt? Ein roter Wein für unter zehn Euro, der richtig viel bietet. Und sogar etwas reifen kann. Liatiko sollte man probieren, sonst verpasst man etwas. Wenn es nicht gleich etwas noch Hochwertigeres von Douloufakis oder Economou sein kann, ist der Dafnios eine gute Gelegenheit. Er ist so ein typischer Was-will-man-mehr-Wein, mit dem man nichts falsch machen, den man unbedenklich sogar flaschenweise kredenzen kann und der jedem viel Spaß macht. Der Vidiano bringt ebenfalls viel Charakter ins Glas, man muss diese etwas kräftigen Weine einfach nur mögen. Zum Essen aber ist er eine bessere Wahl als die vielen zu leichten oder zu cremigen Weiß- oder Grauburgunder, mit denen man sich viel zu oft auf der sicheren Seite wähnt. Beide Weine bringen Kreta auf jeden Fall richtig gut auf den Punkt!


  Griechische Weine führen leider immer noch ein Schattendasein hierzulande. In Deutschland zu kaufen gibt es den Dafnios aber hier und hier.

2 thoughts on “Kreta auf den Punkt gebracht – die Dafnios-Weine von Nikos Douloufakis

  1. Vielen Dank für den klasse Artikel. Ich liebe unbekannte Rebsorren und verbinde die gerne mit klasse Gerichten. Ich ahbe mir dehalb die Weine bei den empholenen Händler http://www.griechenland-weine.de gekauft (der Wein war zu meiner Verblüffung gleich am nächsten Tag da. das hatte ich so schnell noch nie erlebt) und muss sagen, dass mir vor allem der Weiße Dafnios entgegen der Meinung hier sogar besser gefallen hat. Beide Weine sind sehr sehr gut, aber der Weiße erinnert mich schon an eine tolle Mischung aus einem hochwertigen Viognier und einem Riesling. Tolle Mineralität!

  2. Vielen Dank für die Beschreibung dieser „Nischenweine“. Ich habe lediglich Erfahrung mit einem einzigen Wein aus Kreta, der wiederum aus der oben auch erwähnten Rebsorte Vilana gekeltert wurde. Ein Highlight anläßlich einer Athen-Reise vor gut einem Jahr, getrunken in einem sehr schönen Restaurant im Szene-Viertel Psirri. Sollte man sich echt mehr drum kümmern!
    Wen interessiert, wie dieser Krete aussieht:
    https://ec1962.wordpress.com/2016/01/06/wein-in-athen-teil-5/

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