Weingut Koehler-Ruprecht Scheurebe Auslese Kallstadter, 2009

Weingut Koehler-Ruprecht Scheurebe Auslese Kallstadter, 2009

Bei vielen KR-Weine hat man beim Schnuppern das Gefühl im Keller des Weingutes zu stehen. Im ungünstigen Fall muffen die Weine nach dem Aufziehen nach Keller und Most und wenn es gut läuft, werden die Fruchtaromen von einer Mischung aus Gewürz- und Röstaromen durchzogen wie ich sie nur hier kenne. Die Lagerung in den alten Holzfässern ist immer präsent und verleiht den Weinen eine eigene Note. Die R und RR-Rieslinge gehören ganz sich zu den besten Weißweinen in Deutschland, wer einen 90er, 96er oder 2004er einmal verkostete, weiß wovon ich rede. Weniger bekannt sind die restsüßen Weine und schon gar nicht die Scheurebe aus dem Steinacker. Aber auch die „echten“ Spät- und Auslen genießen eine lange Tradition und können ebenfalls ausgezeichnet sein. (Echt im Sinne, dass Prädikatsweine m.E. restüß ausgebaut sein sollten, dem gerade dieses Weingut nicht zustimmt.). Hier geht es um seine Scheurebe aus 2009, die sich jugendlich und noch nicht ganz harmonisch präsentiert. Seine Entwicklung bleibt abzuwarten und könnte durchaus erfreulich verlaufen.

Zunächst denke ich – ha, typisch 2009, dem Wein fehlt es an Säure. Aber mit ein wenig Zeit im Glas entwickelt er mehr Frische, ohne packend zu werden, eine ruhige Auslese. Dies gilt nur für das strukturelle Mundgefühl, armotisch kann ich mich über fehlende Spannung nicht beklagen, hier bietet er eine Mischung aus den Merkmalen der Rebsorte und den Eigenarten des Weingutes und dies macht den Wein dann so spannend, daß man den Wein selbst als vollkommen verzogener Rieslingfan gerne genießt. Solide kommt mir in Sinn und doch eigen.

Duftet nach Heu, floralen Noten, röstiger Würze und kandierten Orangenscheiben, die ganze Frucht geht in Richtung Zitrusfrüchte. Am Gaumen weniger süß als erwartet, viel Zitrusfrüchte, ohne zitronig zu sein, eher kandierte Orangen, dazu eine Spur Altholznoten, getrocknete Gräser und Kräuter, danke der moderaten Säure hält das sanfte Säurespiel dagegen und ist harmonisch, wenngleich etwas ruhig. Als Begleiter zum nicht zu gereiften Brie oder Ziegenkäse ausgezeichnet geeignet. Diese Scheurebe vermeidet jede Schülstigkeit, sondern darf trotz ihrer Kraft (immerhin 9,5% Vol.) als ausgewogen bezeichnet werden. Insgesamt eine sehr gute Auslese, die sich auf dem Niveau noch länger befinden wird und vielleicht noch besser wird, aber hier fehlt es mir an Erfahrung. Ich meine den Wein in einem günsten Trinkfenster geöffnet zu haben. Gutes PLV. Offen verkostet. Empfehlung 30 Minuten dekantieren. 10-12 Grad Trinktemparatur. Am besten zu Käse.

Vom Weingut, 14 Euro, 87 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2020

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