Frederik Steen & Jean-Marc Brignot Syrah Moonologue

Frederik Steen & Jean-Marc Brignot Syrah Moonologue

Es gibt Weine, die sind anders als andere Weine. Nicht besser oder schlechter, sondern wirklich anders. In gewisser Hinsicht ein anderes Getränk. Und hinter diesem hier steht sogar eine Geschichte, die das irgendwie alles erklärt.

Ausgerechnet im Jahr 2010, also kurz bevor das Noma in Kopenhagen zum besten Restaurant der Welt erkoren wurde, war es für Anders Frederik Steen nicht mehr spannend genug, dort zu arbeiten. Der Sommelier wechselte damals in die noch hipperen, neuen Läden Relæ and Manfreds, weil dort der Vin-Naturel-Zug losfuhr, vom dem er so überzeugt war. Im Jahr 2012 traf er dann den früheren Jura-Winzer Jean-Marc Brignot in dessen neuer Weinbar in Japan und überzeugte ihn davon, mit ihm in der Ardèche Wein zu machen.

Und so geschah es. Die beiden kauften Trauben von Bio-Winzer Gérald Oustric und bauten diese vor Ort selbst aus. Natürlich ganz anders als normalen Wein. Es entstanden ein pfirsichfarbener Cabernet Sauvignon, der nicht auf den Schalen vergoren wurde (und den ich überaus gern mal probieren würde), und ein Syrah mit sage und schreibe nur 11,2 Prozent Alkohol – unfiltriert, ungeschwefelt und – ja, tatsächlich — ungepresst. Steen und Brignot wollten nur den Saft der Trauben, nicht aber ihr Tannin und die Bitterstoffe, die für einen Rotwein üblicherweise aus Schalen und Kernen herausgequetscht werden.

Ein solcher Wein ist anders als jeder andere Rotwein, das ist offensichtlich. Und hier schließt sich ein Kreis. Denn er passt hervorragend zu eben jener alternativen nordischen Szeneküche, die vom Noma aus die Welt erobert hat. Mit seiner puristischen Art harmoniert er mit leichten Speisen und subtilen Aromen von Kräutersalat, gehobelten Pilzen, Moosbällchen, fermentierten Kartoffeln, Sauerteigbrot. Ein passender Name wurde auch gefunden: Moonologue, eine Anspielung auf den Einfluss der Mondkräfte auf den Wein, was natürlich esoterisch ist, sich aber auch cool anhört und so französisch wie eine Daft-Punk-Platte.

Und wie schmeckt er nun, dieser Wein mit der langen Geschichte? Ins Glas läuft er rubinrot und leicht trüb, eben wie ein ganz normaler junger Rotwein. Er duftet nach roten Beeren, etwas nach roten Gewürzen und einer ganz leichten Prise der für Syrah typischen Pfeffernote. Die Frucht ist intensiv, würzig und sauber, abgerundet wird sie mit etwas Milchschokolade.

Dann geht’s an den Antrunk, und der ist erstaunlich. Aromatisch intensiv und mit supersauberer Frucht läuft der Wein ungewöhnlich leicht und beschwingt über den Gaumen. Dabei ist er aromatisch ausdrucksstark. Keinerlei Härte, weder von Tannin noch von Schwefel. Das trinkt sich wie Saft, nur komplexer. Anfangs prickelt noch etwas Kohlensäure, die sich auch nur ganz langsam herausatmet. Der Körper ist wie erwartet leicht, aber überhaupt nicht karg, vielmehr zart. Wenig Tannin, wenig Alkohol, lebhafte Säure, dazu nicht viel Extrakt. Anstrengend ist an diesem Wein wirklich gar nichts. Im Gegenteil, er belebt, dreht auf, ist dabei lang und intensiv mit viel roten Beeren, etwas Pfeffer, Schokolade und der Würzigkeit von nassem Fell, man kann auch Sauvage dazu sagen.

Dieser Syrah überrascht. Und er entstammt ganz offensichtlich einer Idee. Das schmeckt man. Und die ist äußerst gelungen. Ein Rotwein im Gewand eines Weißweins mit ganz viel Frucht und Frische, saftig, mit zarter Würze und Komplexität, delikat und aufregend. Es ist und bleibt faszinierend, zu was Syrah fähig ist. Sogar zu einem Kabinett trocken, wenn man sich denn traut. Und eines muss man diesen Vin-Naturel-Leuten lassen. Sie haben Stil und Mut. Wenn das mit so viel Können einhergeht wie beim Moonologue, dürften sogar einige ihrer Kritiker verstummen.

Aus dem Vins-Naturel-Fachhandel, 20 Euro, jetzt trinken, 90 Punkte (ausgezeichnet)


  Leider gibt es viel zu wenig vom Moonologue, pro Jahr nur vier- bis fünftausend Flaschen. Zur Zeit ist er ausverkauft, auch beim einzigen Händler, der ihn vertreibt. Man sollte also die Augen offen halten.

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