Emrich-Schönleber Riesling trocken Monzinger Halenberg GG, 2004

Emrich-Schönleber Riesling trocken Monzinger Halenberg GG, 2004

Nach sieben Jahren zeigte sich uns der Halenberg derart kühl, frisch und ja verschlossen, dass die Blindverkostung uns mal wieder Demut lernte. Ohje, wir haben doch alle keine Ahnung inkl. der ganzen „professionellen Verkoster“. So vermutete z.B. Wein-Plus, dass der Wein bis 2007 getrunken werden sollte. Sehr witzig, heute meinten manche (absolut verständlich) einen 2008er im Glas zu haben, den man noch mind. 10 Jahre weglegen muss. Obwohl ich den Jahrgang, eher zufällig, aufgrund seiner (wunderbar) herben Stilistik richtig erkannte, war ich doch gänzlich irritiert von seiner enormen Jugendlichkeit. Und so stehen wir eben alle am Anbeginn einer aufregenden Entwicklung großer, trockener Rieslinge, wo mich gelegentlich die Gewissheit so mancher Wein-Kommilitonen nur noch in Erstaunen versetzt – vielleicht mangelt es gelegentlich schlicht an Neugier und ach ja, wirtschaftliche Interessen gibt es auch zuhauf?

So, nun aber zurück zur Aufgabe dieses Blogs: die Weinbeschreibung

In der Nase Merkmale eines Weines, der gerade in seiner zweiten, finalen Fruchtphase angekommen ist. Nur, und wirklich nur die Frucht zeigt reife, überaus vielschichtige Stein- und Kernobstaromen, daneben herbe Blutorange und Zitruszesten. Die erdig-kräutrige Mineralität ist noch blutjung, derart kitzelt sie unsere Nasen – knackig, mit viel Konzentration und Spiel, überaus scharf gezeichnet, von gr0ßer Jugendlichkeit, dahinter ein Dialog aus mediterianen Gewürzen und Kräutern, manche meinen in der Nase deutet sich schon die knackige Säure an.

Diese suchen wir dann am Gaumen vergebens. Die Säure ist präsent, tritt aber keineswegs in besonderer Weise hervor, der Wein ist halt kompromisslos gemacht: trockene, ernsthafte Stilistik, geprägt von einer tiefen Mineralik. Die Frucht tritt zurück und fängt erst an sich so langsam zu öffnen. Aber nochmal zurück zur Mineralik; sie ist noch sehr verschlossen, zeigt uns ihre kalte Schulter und trotzdem sind wir von dem gewährten Einblick begeistert. Die Kühle, diese Eleganz erinnert mich an große Burgunder, nur viel frischer und heller. Neben der kalkigen Mineralilk, kauen wir auf grünen Äpfeln, weißen Pfirischen und Gräsern rum. Packend und sehr zwingend bis zum langen Nachhall – hier zeigt sich 2004: recht herbe, leicht holzige Kräuter, etwas Jod und Kalk und frische Zitrusfrüchte. Noch etwas uncharmant, kein Wein für Kuscheltrinker. Am Vorabend geöffnet, den ganzen Tag in der Karaffe. Blind auf den Tisch. Freunde muss man haben. Scheint mir mehr Potential zu haben, als die interne Spitze „Lay“.

Vom Fachhandel, 25 Euro, 93 – 95+ Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2019+