Daniel Landerer Chardonnay trocken Steingrube 2015
Vogtsburg-Oberbergen ist ein schöner, aber äußerst überschaubarer Ort. Von der Größe, dass es hier keinen Bäcker gibt. Dafür aber ein superberühmtes Sterne-Restaurant, einen Metzger-Automatenstore, eine überaus ordentlich arbeitende Weingenossenschaft sowie fünf Winzer. Einen von denen kennt jeder: Fritz Keller.
Gegenüber von dessen beeindruckendem, also wirklich spektakulärem, terrassenförmig in den Löss gebaute Weingut, also literally auf der anderen Straßenseite, liegt ein weiterer, etwas normaler ausgestatteter Winzerhof. Daniel Landerer heißt der Winzer dazu – nicht zu verwechseln, nicht verwandt, nicht verschwägert mit Johannes Landerer, den man zwei Dörfer weiter in Niederrotweil findet.
Daniel Landerer ist Spezialist für Burgunder, die teils zu hundert Prozent aus dem Barrique kommen. So hatte ich es in Erinnerung, als ich einem der wohl abgelegensten und idyllischsten Weinläden weit und breit (Danners Weinkeller in der wundervollen Gemeinde Freiamt im Breisgau) im Reste-Regal einen gereiften Chardonnay Jahrgang 2015 von ihm fand.
Im Glas zeigt sich ein glänzendes, klares mittleres Gelb mit leichten grünen Reflexen und doch recht deutlichem Wasserrand. In der Nase dann die volle Ladung Barrique und Frucht: Rauch, Feuerstein und Aprikose, Banane, Butter, etwas weiße Ananas – eine megatolle, kompromisslose, holzgewürzte Nase. Im Antrunk wird es heftig aromatisch: Nektarine, Orangenessenz, getrocknete Zitrus, dazu Kaffee, Erdnuss und Minze. Superintensiv, aber nicht fett oder mastig, mit viel Extrakt, das sich den Holznoten entgegenstellt. Gerbstoffe sind spürbar, der Körper wirkt voluminöser als es die 13 Prozent vermuten lassen. Und von Reife ist auch im elften Jahr noch keine Spur zu finden.
Ein fantastischer, mächtiger Wein, den ich so nie im Kaiserstuhl verortet hätte. Blind hätte ich auf Australien, Kalifornien oder vielleicht auch Spanien getippt. Aber auch Oberbergen kann hat Hot Climate, zumal auf irre hohem Niveau.