Weingut Nelles Spätburgunder Heimersheimer Burggarten „B-52“, 2006

Weingut Nelles Spätburgunder Heimersheimer Burggarten „B-52“, 2006

88 Punkte bei Eichelmann, gar 90 Punkte im Gault Millau – kein Zweifel, wir sollen uns heute an einen der besten Spätburgunder von der Ahr freuen. Nur zu blöde, dass der Wein blind auf den Tisch kam. Ein Duft von roten Beeren, Erdbeeren, und etwas Kirsche. Dahinter grasige und kräuterwürzige Noten, auch ein Hauch Mineralik. Dies alles wird aber leider von einer störenden alkoholischen Schärfe überdeckt. Wirkt noch recht jung und unausgewogen. Dies setzt sich konsequent am Gaumen fort. Der Alkohol stört über den gesamten Verlauf und bleibt im Mund zurück. Vielleicht wird sich dies über die Jahre noch einbinden, bei 14,5% bleiben wir aber skeptisch. Abgesehen davon nicht schlecht, ohne wirklich zu begeistern. Schlanke und kühle Stilistik, mit Struktur und einer gewissen Raffinesse. Schöne Symbiose aus (der typischen Ahr-)Frucht und einer mineralischen Kräutrigkeit. Recht präsentes, noch etwas grobporiges Holz. Die Tannine ebenfalls etwas stumpf. In ihrer Jugendlichkeit gefällt aber die Säure, sie sorgt für einen Ausgleich zu den Holznoten. Der knapp lange Abgang macht mit seinem Schmelz und der zarten Extraktsüße Spaß, ohne aber besonders komplex zu sein. Und der Alkohol, verleidet mir die Freude auf das nächste Glas. Es ist traurig und vielleicht bin ich ungerecht aufgrund seiner Jugendlichkeit, aber zum heuten Zeitpunkt ist es ein weiteres Beispiel für Ahrweine, bei denen das Preis-Leistungs-Verhältnis ganz gewaltig aus den Fugen geraten ist. Alkoholisch, rustikales Holzmanagement und eine gehemmte, wenn nicht gar schlichte Aromatik lassen uns Weinliebhaber von Baden oder dem Burgund träumen. Zu Hause blind verkostet, zwei Stunden in der Karaffe.

Nach drei Tagen ist der stechende Alkohol in der Nase verschwunden, im Mund weiterhin störend. Dafür tritt nun in der Nase der Holzeinsatz zu weit in den Vordergrund und bedrängt die Frucht, ist aber noch im Rahmen und schlussendlich Geschmacksache. Mir ist es ein Tacken zu viel. Im Mund ist der Eindruck aufgrund der etwas besser aufgefächerten Frucht ein Punkt positiver. Trotz der Steigerung bleibt der Wein an Ausgewogenheit und Raffinesse einiges schuldig.

Vom Weingut, 31 Euro, 86+ Punkte (sehr gut), ab 2011