Sebastian Weisbrodt Merlot „WeinARTrium“, 2005

Sebastian Weisbrodt Merlot „WeinARTrium“, 2005

Was bietet die Pfalz eigentlich noch an Rotwein außer Spätburgunder? Ich persönlich bin kein Freund des St. Laurent, und die übrigen hier beheimateten Sorten wie Dorn- und Dunkelfelder oder Portugieser schaffen es, glaube ich, nur unter ganz besonderen Bedingungen zur Klasse. Stattdessen hatte ich durchaus schon Spaß mit Rebsorten, die vielleicht bisher angesichts des Klimawandels vor allem als Investition in die Zukunft angesehen und für den Augenblick eher noch belächelt werden: Cabernet und Merlot. Nach wie vor, würde ich sagen, sind die Bedingungen nicht ideal und wahrscheinlich braucht es auch noch mehr Erfahrung, um aus diesen Trauben das Maximum herauszuholen, aber man findet schon jetzt immer wieder Weine, die Spaß machen. Zum Beispiel beim Weingut Holz-Weisbrodt in Weisenheim am Berg, wo man in der Premium-Linie „WeinARTrium“ Cabernet Sauvignon und Franc, sowie Merlot und sogar Syrah anbietet.  Diese Reihe sollte man (trotz des sprachästhetisch fragwürdigen Namens und der durchaus ambitionierten Preise) im Auge behalten.

Ganz leichter bräunlicher Einschlag im Dekanter, trüb. Aus dem Glas wallt ein kräftiger Duft mit Komponenten von beiden Seiten des Spektrums: kühle schwarze Johannisbeere, Pfeffer und leise Mineralität von der einen, etwas kompottige Frucht von der anderen. Sonderbar. Zu jung? Das Holz („Barrique!“, für Manchen in der Pfalz immer noch exotischer als die Rebsorte) gut eingebunden. Alles in allem nicht sonderlich komplex, aber sauber und gut gemacht. Auch am Gaumen zeigt sich wieder die Cassisnote, auch Kirsche hier und Fruchtsüße, Kräuter, Vollmilchschokolade und eine präsente Säure. Alkoholkräftig, nicht besonders tief. Endet schön auf dem schokoladigen Holz, im Abgang etwas bitter.

Es fehlt mir zwar ein wenig das Spiel und die Tiefe, ich finde diesen Wein aber dennoch sehr gelungen. Möglicherweise braucht er einfach noch ein wenig Zeit, das Kippspiel zwischen dem frischen und dem eher reifen Eindruck in der Nase legt das nahe.

Vom Weingut, 12,30 Euro, 84+ Punkte (gut), 2011 bis 2013