A. Christmann Riesling Königsbacher Idig Großes Gewächs, 2006

A. Christmann Riesling Königsbacher Idig Großes Gewächs, 2006

Seit über einem Jahr schon hatten Guido und ich den Plan, bald einmal zwei Pfalz-GGs aus 2006 aufeinander zu hetzen. Warum? Zum einen, weil 2006 als schwieriger Jahrgang bekannt ist, und dennoch beispielsweise der Idig von einem bekannten Online-Weinführer mit saftigen 94 Punkten bedacht wurde. Der Ungeheuer von Mosbacher bekam vom gleichen Verkoster 93. Zum anderen kann man immer ein konzeptionelles Deckmäntelchen brauchen, um zu rechtfertigen, dass man einfach mal so zwei Pullen in dieser Größenordnung knackt.

Im Glas ein helles Gold mit leicht grünlichen Reflexen. Der erste Eindruck in der Nase: Botrytis. Kein Wunder, wir trinken 2006. Dahinter Kräuter, Trockenblumen, etwas mürber Apfel, cremige Orange und ganz oben in der Nase — etwas versteckt — die ziehende Mineralik, die ich vom Idig kenne. Ich bin ein wenig verwundert, weil ich sowohl Botrytis (leiser) als auch Mineralik (wilder) von einer jungen Flasche vor eineinhalb Jahren ganz anders in Erinnerung hatte. Heute wirkt der Wein in der Nase fast barock-füllig. Am Gaumen dann korrigiert sich dieser barocke Eindruck: Überraschend trocken, mit kräftiger, strukturierender Säure und etwas Gerbstoff. Sehr stoffig, zum Kauen, eine soßige, sämige Konsistenz (Guido meint, wie wenn man auf Watte kaut, gibt aber zu, dass er das schon lange nicht mehr gemacht hat). Eine sehr gereifte Frucht, ich fühle mich nicht mehr in der Lage, sie zu benennen; dezente Mineralik. Kommt er vorne mit viel Kraft daher, macht er sich dann hinten auf einmal sehr schmal, im Abgang bleibt ein kleiner Säureüberhang stehen.

Wir sind irritiert. Für einen Idig vermissen wir eigentlich den mineralischen Zug; die Botrytis ist nunmal jahrgangstypisch, aber der Verlauf des Weins gefällt uns nicht so recht: Es fehlt die Harmonie. Wirkliche Reifenoten sind nicht festzustellen, dass er hinten so zumacht, weckt bei mir den leisen Verdacht, dass er vielleicht noch etwas Zeit braucht, um sich voll zu entfalten. Dennoch ein sehr schöner Wein, mit dem man sich gut und gerrne den ganzen Abend beschäftigen kann.

Vom Fachhandel, 26 Euro, 90+ Punkte (ausgezeichnet), 2011 bis 2014 (?)