Joseph Voillot, Pinot Noir Pommard Les Combes & Volnay Les Grands Poisots, 1995

Joseph Voillot, Pinot Noir Pommard Les Combes & Volnay Les Grands Poisots, 1995

Es bedurfte einer nicht geringen Anstrengung, dem Pommard seinen Korken zu nehmen, aber mit Geduld und chirurgischem Besteck ging es dann doch ans Ziel. Mit zunächst nur moderatem Ergebnis, ein dünnes, säuerliches Tröpfen lugte aus dem Glas, fast schien es zu sagen: „was störst Du meine Totenruhe?“. Nun, ich sagte kurz „Verzeihung, ich bette Dich noch schnell um in eine Glaskaraffe – und dann lass ich Dich wieder in Ruhe“. Eine Geduld, die dieser Pinot überraschender Weise merklich dankte. Nach gut zwei Stunden machte er auf, wurde fruchtfülliger, etwas schmelziger und „weit weg von tot“ – wenngleich dann doch absolut reif.

Ziegelrot, mit orange-bräunlichen Reflexen. In der Nase Kaffee, altes Sattelleder, rote Paprika, dazu frische Johannisbeere, Kräuter und dunkler Kakaostaub. Knapp mittelvoller Antrunk, ein fruchtsüßer Johannisbeerkern, straight und definiert in seiner Art, dabei aber sehr stimmig. Leider wird die markante Säure am Gaumen hin etwas zu dominant, hier fällt der Wein auch ab. Johannisbeeren und Kakaonoten im feinstrukturierten, knapp mittellangen Nachhall.

Nach dem doch etwas erschreckenden Auftakt bot der Wein dann doch ein harmonisches Finale. Wäre aber vermutlich vor einigen Jahren noch schöner gewesen…

Im Fachhandel gekauft, 30 DM, 84 Punkte (gut), jetzt trinken

 

Volnay Les Grands Poisots, 1995

Während der Pommard noch mit seiner finalen Form rung, konnte ich mich diesem Wein ausgiebig widmen…

Von anderer Art der Volnay –  wenngleich mit ähnlicher Farbe, ist schon die Nase üppiger, voller Milchschokoladennoten, ein leichter Kräuterton, auch etwas Liebstöckl. Eine eher kirschfruchtige Nase, die aber dominiert wird von gelungenen Holzeindrücken.

Schokoladiger Auftakt im Mund, weniger definiert als der Pommard, dafür füliger und kräftiger. Mittlere Dichte, hier viel Kirsche, mit leichter Bitternis zum Gaumen hin – der Wein bindet seine Säure schöner ein als der Pommard, bleibt aber im Direktvergleich der weniger Vielfältigere, weshalb die beiden Weine in Summe auf Augenhöhe stehen. Der Volnay endet mit feinporigem Tannin und mittellangem Nachhall. Er hat ebenfalls volle Trinkreife.

Im Fachhandel gekauft, 32 DM, 84 Punkte (gut), jetzt trinken