Georg Breuer Riesling trocken Berg Roseneck, 2005 & 2006

Georg Breuer Riesling trocken Berg Roseneck, 2005 & 2006

Breuer Roseneck 2005 & 2006 (100 von 1)Auf meiner Bahnfahrt Anfang April 2014 Richtung Mainz passierte ich die imposanten Rüdesheimer Lagen und dabei fiel mir insbesondere die Kennzeichnung des Berg Roseneck auf – die großen Lettern wurden in Mitten dieses mächtigen Felsbrocken montiert und er trägt sie stolz.

Diese Begegnung schuf den Wunsch mal wieder Roseneck im Glas zu schmecken und so öffnete ich kurz darauf zwei Erste Gewächse von Georg Breuer. Sein Roseneck ist mir bis heute ein Rätzel. Als Jungwein zeigt er sich oft derart schlank, uninspiriert, teilweise einfach nur abweisend, dass er mir oft keine besondere Bewertung entlocken kann. So erging es auch den Jahrgängen 2005 und 2006. Und so liegen beide Jahrgänge seit fünf Jahren unberüht in meinem Keller.

Georg Breuer Berg Roseneck Erstes Gewächs, 2005
Der 2005er will sich auch nach Tagen einfach nicht öffnen, er befindet sich im Winterschlaf. Es duftet nach Kautschuk, Petrol, Thunfischöl und auch irgendwie nach Meerwasser, nasser Schiefer und zeigt auch in polyphenolische Gerüch ala Röstaromen, die Frucht komplett zurückgezogen und läst sich nur anhand einer süßlichen Komponente wahrnehmen. Komplex, sensorische eine Herausforderung, aber die Komponenten spielen nicht miteinander, sie liegen vielmehr stumm wie ein Monolith vor einem. Am Gaumen durchaus kraftvoll, sehr klarer Auftakt mit kompakter Zitrusfrucht, von Petroladern durchzogen, wirkt sehr frisch mit fein gegliederter Säure, die Mineralität nun betont salzig, nun überraschend harmonisch und über den gesamten Verlauf schlüssig, wenngleich er auch hier verschlossen ist, im Nachhall zeigen sich erstmals zarte rotwangige Äpfel. Noch immer von seinem Höhepunkt entfernt, er lässt aber sein Potential erkennen. War am vierten Tag nach zig Stunden im Dekanter am besten.
Vom Fachhandel, 89+ Punkte (sehr gut), ab 2018+

Georg Breuer Berg Roseneck Erstes Gewächs, 2006
Erst ab dem dritten Tag war das Bukett geöffnet und zeigte dann eine ausdruckstarke, jugendlich wirkende Apfelfrucht, umgarnt von Limetten und weißen Blüttenblätter, die Frucht ruht auf feuchten Kieselsteinen und einem Anflug von Petrol, stimmig komponiert und tiefsinnig, so ungefähr das Gegenteil was man von 2006 erwartet. Auch im Mund hat er seine Scheu der ersten beiden Tage abgelegt und ist nun geprägt von einer festen, steinwürzigen, salzig-rauchigen Mineralität. Er besistzt einen kräftigen Körper, im klaren Auftakt erneut Kernfürchte und Zitrusfrüchte, allen voran Limetten, im Wechselspiel mit der Frucht lugen getrockene Wildkräuter hervor, Schieferwürze und eine erste Reifenote, immer mal wieder bilde ich mir ein etwas Botrytis zu spüren, aber der nächste Schluck bestätigt es wieder nicht, sehr wechselhafte Eindrück, immer noch nicht ganz aufgefächert, die Säure erstaunlich frisch, mittlerer Nachhall. Insgesamt ein sehr feiner Wein, der jedoch über eine gute Konzentration verfügt und noch einige Jahr der Entwicklung vor sich hat. Ich bin einfach platt wie sehr sich diese Jahr entwickelt hat, denn ich kann mich noch gut erinnern, wie enttäuscht ich von dem Wein bei der Jungverkostung war, da war es nur ein schlanker, spitzer, von Botrytis durchzogener Wein. Heute unbedingt einige Stunden in der Karaffe belüften, oder einen Tag vorher aufziehen.
Vom Fachhandel, 88+ Punkte (sehr gut), ab 2016+