Chateau Pontet-Canet Pauillac, 1997

Chateau Pontet-Canet Pauillac, 1997

1997-pc-1Wenn man diesem Wein eine Schachfigur zuordnen müsste, käme ihm ohne Zweifel die Position eines Turmes zu, schwarze Spielsteine. Denn der Wein ist etwas sperrig, hat aber durchaus schon monolithische Züge. Er zeigt sich dabei weniger von der charmanten Art, er ist vielmehr von Kraft und Kernigkeit geprägt und trägt eine maskuline Handschrift.

Schwarzroter Kern, mit Aufhellungen zum Rand hin. In der drückenden, vielschichtigen Cabernet-Nase zeigen sich Herzkirsche, Graphit, grüne Paprika, etwas Leder, dazu viel Johannisbeere; er präsentiert auch den Duft einer Zigarrenkiste, flankiert durch etwas Vanille- und Kaffeenoten vom Holz. Im Mund dicht, leicht kirschlikörig, wieder Johannisbeere, Mineralik, Tabakblätter, Graphit, gänzlich trockener Stil. Mit Luft auch etwas Pumpernickel. Hat eine kernige Struktur und ist mit mittlerer Tiefe ausgestattet. Aus der frisch geöffneten Flasche fällt zunächst eine deutliche Säure etwas aus dem harmonischen Gesamtbild heraus, mit mehr Luft kann sich die Säure aber dann noch angenehm einbinden. Am Gaumen nachhaltig, endet mittellang, die Frucht verblasst hier aber etwas zu Gunsten eines leicht trocknenden, wenngleich doch feinen Tanninfilms.

Hat sich gegenüber einer zuletzt im Winter 2006 getrunkenen Flasche kaum verändert. Er dürfte dieses Niveau spielend noch einige Jahre halten -– allen Unkenrufen des sehr früh trinkbaren Jahrgangs zum Trotz. Mit dem aktuell aufgerufenen, unten auch aufgeführten Preis ist er aber leider zwischenzeitlich auch kein Schnäppchen mehr. 2,5 Stunden in der Karaffe belüftet, offen zu einem kraftvollen Fleischgericht getrunken, dem der Wein mühelos stand hielt, ohne es gänzlich Schachmatt zu setzen.

Im Fachhandel, 36 Euro, 89 Punkte (sehr gut), jetzt bis 2013