Emrich-Schönleber Riesling Monzinger Frühlingsplätzchen Großes Gewächs, 2004

Emrich-Schönleber Riesling Monzinger Frühlingsplätzchen Großes Gewächs, 2004

2004-ESMFDieser Wein war mein persönlicher Favorit in der Nahe-Probe meiner Mitschreiber Rainer und Thorsten im April 2009 — er begeisterte mich bereits im Frühling mit seiner kompromisslosen Mineralität. Grund genug, diesen Wein mit mehr Muße nachzuprobieren. Das Weingut Emrich-Schönleber muss man inzwischen wohl nicht mehr vorstellen — eine Probierempfehlung sind gerade die höherwertigen Weine, wenn man Ihnen etwas Zeit gibt. 16 Hektar bewirtschaftet das Weingut, die Flächen sind überwiegend mit Riesling bestückt. Die Bezeichnung der Lage Frühlingsplätzchen, die ich heute im Glas habe, geht historisch darauf zurück, dass in diesem Weinberg aufgrund seiner Süd-Südwestexposition und einer Gefällesteilheit von bis zu 70 % im Vergleich zu anderen Monzinger Lagen der Schnee früher wegtaut. Und auch ich — um die Metapher einmal gehörig auszureizen — schmelze bei diesem Wein durchaus dahin.

Wenn ich nun schreibe, dass der Wein in der Nase mit Limone und einer Melange aus Pfirsich- und Orangencreme aufwartet, die von Kräutern und einer rauchigen Mineralität flankiert werden, so gibt dies nicht im Ansatz einen Eindruck über die Gesamtkomposition dieses betörendend komplexen Duftes wieder, der schmeichelnd und kraftvoll zugleich durch das Glas strömt. Auch im Antrunk überwiegen zunächst die limonigen Noten, doch sobald der Wein die Zunge umspült hat, ist Schluss mit Kuschelriesling — gnadenlos und kräftig breitet sich die herbe Mineralität aus, „Steine kauen“ ist das Thema, eine pikante Säure hält dagegen; Limonenfrucht und Rotschiefer gehen hier in den Infight — sie schenken sich dabei nichts. Der Wein bleibt auch am Gaumen druckvoll, wird dabei trotz seiner Kraft nicht eine Spur alkoholisch, der sehr lange Abgang gibt einen Dreiklang von Limone, Stein und Rauch preis. Der Wein hat nunmehr eine schöne Trinkreife erreicht, Reifenoten konnte ich aktuell noch nicht ausmachen. Offen verkostet, vor dem ersten Glas drei Stunden dekantiert.

Im Fachhandel, 24 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), jetzt bis 2013