Domaine Ostertag Riesling Clos Mathis, 2004

Domaine Ostertag Riesling Clos Mathis, 2004

mathis_3Ein Besuch auf dem Hof von André Ostertag im Jahr 2006 habe ich in zwiegespaltener Erinnerung. Selten wurde ich auf einem Weingut so kühl empfangen. Die Dame, die uns empfing, hatte de facto keine Lust auf uns. Einen kurzen Anflug von Interesse und Freundlichkeit zeigte sie nur in einem Gespräch über Zecken, zu dem uns unser Hund veranlasste. Entsprechend widerwillig wurde uns nur eine jämmerliche Auswahl von zwei Gutsweinen präsentiert, dabei nicht mal ein Riesling oder Pinot Gris. Nur mit einem entwürdigenden Verhalten zwischen Bettelei und Charme-Offensive gelang es uns, ab Hof doch noch einige Flaschen der großen Gewächse zu erwerben, das aber sogar zu sehr akzeptablen Preisen. Und das führte zu meinem zweiten Eindruck von dem Weingut — die höheren Qualitäten von André Ostertag sind sensationell und unverwechselbar. So auch der Clos Mathis, der nicht wie die anderen Weine aus Lagen rund um Epfig im nördlichen Elsass, sondern aus einer Parzelle zwischen den Grand Crus Geisberg und Kirchberg bei Ribeauvillé stammt. Der Weinberg ist im Besitz von Hubert Mathis, der für die Pflege der Weinberge Ostertags verantwortlich zeichnet, und wird im Keller von André Ostertag vinifiziert. Der Wein steht ein wenig im Schatten des Fronholz und vor allem des kolossalen Muenchbergs, bietet aber wie diese eine herausragende Qualität. Im Glas ein gelbes Strohgelb, heller Rand, zur Glasmitte hin etwas dunkler werdend. Die Aromen strömen förmlich aus dem Glas heraus.

Ein intensives Bukett mit reifen gelben Früchten, mürbem Apfel und eine breite Schicht an reifen, aromatischen Zitrusdüften, dazu süßliche florale Noten, etwas Honig, ein leicht petroliger Reifeton und jodig-salzige Würze. Schon in der Nase komplex und mit einer schönen Balance von konzentrierter Frucht und mineralischer Frische. Im Antrunk füllt zunächst die weiche Säure mit den Aromen gelber Früchten den Mund. Doch dann rollt plötzlich eine gewaltige Welle dichten mineralischen Extrakts über Zunge und Gaumen. Viel dunkle Kräuter, eine herbe Steinmineralik, Limettenschalen, spürbar auch Gerbstoffe. Mit mehr Luft wandelt sich der Wein, er wird deutlich weicher, die Mineralität wird mehr von milden Kräutern getragen an Aromen kommen Kamille und als Reifeton etwas Cassis dazu. Der Aromakern hinterlässt eine zartbittere, leicht salzige Spur. Die Säure ist weich und trotzdem frisch, sie wirkt auf den Punkt gereift. Im Abgang bleibt der Wein richtig schön lang auf den reifen Apfel-, Zitrus- und Mineraltönen, die Bitterstoffe wirken trocknend.

Ein ausgezeichneter Wein, der zeigt, welches Aromenspektrum und welche Mineralität ein knochentrockener Riesling bieten kann. Ein vorzüglicher Vertreter des französischen Weißwein-Stils mit viel Finesse. Dumm nur, dass er hierzulande wirklich schwer zu besorgen ist. Also, wenn Sie eine Fahrt zum Weingut planen, bitte geben Sie mir Bescheid!

Vom Weingut, Euro, 18 Euro, 92 Punkte (ausgezeichnet), bis 2012