Franco M. Martinetti Sulbric Monferrato Rosso, 1996

Franco M. Martinetti Sulbric Monferrato Rosso, 1996

Martinetti Sulbric 1996 (1 von 1)

Wenn Barbera auf den Tisch kommt, dann sehr gerne von Franco Martinetti. Seit vielen Jahren begeistere ich mich regelmäßig für seine ganz eigene Art den Barbera auszubauen. Probieren Sie einmal seinen Montruc! Klasse und noch bezahlbar. Eine Stufe darüber der Sul Bric, eine Cuveé aus Cabernet Sauvignon und Barbera, gewachsen vor dem Abgrund auf der Spitze eines wilden Hügels (auf piemontesisch eben „Sulbric“). Ein Wein, den ich am liebesten möglichst gereift trinke, denn erst dann läßt er sich all seine Tiefe und Komplexität entlocken. Leider ist das Vergnügen viel zu selten, der Wein hat seinen Preis,  was bei nur vier Hektar und einem Ertrag von durchschnittlich 31hl/ha kein Wunder ist.

Heute gibt es den 96er im Glas, ein wirklich ausgezeichnetes Jahr im Piemont. Im Schnitt sehr lagerfähige, ausdrucksstarke Weine konnten die Topwinzer erzeugen. Der Sulbric aus diesem Jahr ist hier keine Ausnahme. Na denn los mit der Lobhudelei: Dunkles Rubinrot mit schwarzrotem, undurchscheinbaren Kern, leichte Trübung, Aufhellung zum Rand, kaum Wasserrand. Zunächst kein Bukett, nur ein indifferenter Muffton steigt in die Nase. Doch in den folgenden vier Stunden durchlebt der Wein eine unglaubliche Metamorphose. Nun feingezeichnet, nach reifem Fruchtfleisch der Schwarzkirsche, angetrockneten Pflaumen, etwas Feige und Cassis. Dies alles umhüllt von zarter Bitterschokolade und ein Hauch Pfeiffentabak benetzt die Schleimhäute. Klar, ein gereifter Wein auf seinem Höhepunkt, dessen langsamer Niedergang unmittelbar bevorsteht. So der Eindruck zumindest in der Nase. Im Mund wirkt der Wein deutlich jünger. Zunächst im Antrunk sind die Primärfrüchte noch reif, teilweise bereits etwas angetrockent. Im weiteren Verlauf bilden sich die Aromen aber reifemäßig zurück und enden auf einem jugendlichen Destilat aus Kirsche, Feige und Cassis. Zur Frische trägt auch eine Ahnung grüner Paprika und eine gut eingebundene, verspielte Säure bei. Die Tannine sind butterweich wie flüssiges Karamell und die Holzaromen beschränken sich angemessen darauf, die Primäraromen zu harmonisieren. Der Abgang ist lang und ausdruckstark, mit den beschriebenen Früchtebukett und endet auf zart-herber Kirsche mit feinsten Röstaromen vom Fassausbau. Nicht unendlich tief, aber unheimlich verführersich. Der perfekte Wein für lange Abende vor dem knackenden Kaminfeuer. Zu Hause mit Freunden offen verkostet, alle kamen zum selben Urteil (hmmm, lecker!!!), vier Stunden in der Karaffe, von Glas zu Glas besser.

Vom Fachhandel, 31 Euro, 91 Punkte (hervorrangend), jetzt trinken