Fox Run Vineyards Riesling Dry Finger Lakes, 2008

Fox Run Vineyards Riesling Dry Finger Lakes, 2008

Die so genannte Außenstelle USA gibt es übrigens auch noch. Mit ähnlichem Befund wie bei euch: WM und Sommer (nein, ich nenne es nicht Hitze, es ist – ganz trivial – der Sommer) haben zuletzt eher für bierhaltige Getränke im Glas gesorgt. Doch heute war Riesling angesagt. Seit Langem mal wieder. Und was soll ich sagen? Es gelüstete mich nach amerikanisch-halbtrocken. Soweit ist es schon. Da meine Vorräte an vernünftigem Riesling aber noch eine Weile halten müssen und hier eine strenge Kontingentierung der verschiedenen Charakteristiken herrscht, habe ich mich dann doch für trocken entschieden. Und zwar für den Bruder dieses hier bereits verkosteten Semi-Dry.

Der erste Eindruck in der Nase kommt nach der langen Riesling-Abstinenz mit dem einen oder anderen Zwischen-Chardonnay und einigem WM-Ale schon fast einer Offenbarung gleich: beißende Struktur, crispe Fruchtsäure, Apfel, Grapefruit, etwas Gemüse, steinige Anklänge, Kräuter, etwas Lakritz. Am Gaumen dann möchte ich es erst fast nicht glauben, ich vergleiche meine Notizen zu den trockenen Rieslingen von Dr. Frank und Anthony Road, sowie zum Halbtrockenen vom gleichen Gut und stelle fest: Die Gebiets- und/oder Jahrgangstypizität ist dermaßen ausgeprägt, dass die Weine sich fast zum Verwechseln ähneln. Wieder fällt hier zuallererst die irrsinnige Säure auf, Apfelnoten, Zitrus und Kräuter. Wieder – wie auch bei seinem halbtrockenen Counterpart – ist vom durchaus vorhandenen Restzucker (9g) kaum etwas zu spüren. Wieder würde ich den Wein zuerst als sperrig bezeichnen, um dann festzustellen, dass man in ihn „hineinhorchen“ möchte und das Glas immer wieder zum Mund führt. Hinter der nervigen, apfeligen Säure verbirgt sich eine Tiefe, die man ergründen möchte.

Ich rätsle nach wie vor, was diese Weine von den Finger Lakes ausmacht. Ich habe den Verdacht, sie schaffen es, Ihre Süße dermaßen gut hinter der Säurestruktur zu verbergen, dass man gar nicht merkt, wie man langsam dem Zuckerle verfällt. Bewährte Strategie der amerikanischen Lebensmittelindustrie. So wissen wir ja z.B. auch alle, dass in Chips Drogen drin sind. Es kümmert uns aber nicht – wir essen die Tüte trotzdem leer.

Vom Weingut, 15,99 USD, 86+ Punkte (sehr gut), 2011 bis 2013