Drei Musketiere aus 2002: G-Max, Hubacker und Unendlich

Drei Musketiere aus 2002: G-Max, Hubacker und Unendlich

Im Rahmen einer Probe für große, trockene Rieslinge im gereiften Stadium kamen die vermeintlichen Musktiere aus 2002 gemeinsam in einem Flight (halbblind*) auf den Tisch: G-Max, Unendlich und der von vielen als bester trockener Riesling des Jahres eingestufte Hubacker.

2002 war weder in Deutschland noch in der Wachau ein großes Riesling-Jahr. Der ständige Regen im Oktober vermasselte so manchen Winzer die erhofften Qualitäten. Zum Glück konnten die meisten Winzer, aufgrund der gewonnen Erfahrung aus 2000, Fäulinisprobleme vermeiden, aber viele Weine wirken unrund und es fehlt ihnen teilweise an Spiel. In der Spitze hatte ich zwar bereits etliche überaus gelungene Erzeugnisse im Glas, die sich auch nach 8-9 Jahre in einem zum Teil noch erstaunlich jugendlichen Stadium befinden, aber in der Breite konnte mich der Jahrgang bisher nie restlos überzeugen. 2001 hat sich da deutlich besser entwickelt, gerade jetzt toll zu trinken und auch 2003 entpuppt sich, trotz aller Unkenrufe zum Trotz, als gelegentlich sehr guter Jahrgang, zumindest in der Spitze. Aber was hilft schon das ganze Erzähl von Jahrgängen, wenn drei Weine vor uns stehen, die allesamt großes Kino sind.

Weingut Keller G-Max, Rheinhessen
Intensive gold-gelbe Farbe. In der Nase ungemein konzentrierter Auftritt. Vielschichtige, zum Teil getrockente Steinfrüchte und kandierte Zitrusfrüchte, abgrundtiefe Mineralik mit cremigen und tabakigen Anklänge. Betörend klar, dicht und verspielt. Ungemein zwingender und saftiger Antrunk, mit viel Spannung und Eleganz zugleich. Hochkonzentrierte, sehr klare Steinfrüchte, messerscharf eingebundene Säure, die noch dazu ganz wunderbar über den Gaumen rauscht, ohne je zuviel Raum für sich zu beanspruchen. Tiefe, sehr nachhaltige Mineralik. Sehr dichter, überaus konzentrierter Wein, der aber spielend in der Balance bleibt. Langer Abgang, der zum Schluss ein ganz klein wenig abflacht.
94 Punkte, jetzt bis 2022

Weingut Keller Westhofener Hubacker, Rheinhessen
Vergleichbare Farbe. Konzentrierte Nase nach kandierten Steinfrüchten und gelben Äpfeln, etwas Wachs (kleiner Botrytiseinschlag), deutlich Persipan und blumige Anklänge. Feine mineralische Noten im Hintergrund. Nicht ganz so abgrundtief und dicht wie der G-Max, aber er überzeugt dank seiner verspielten Eleganz. Im Mund zeigt der Wein was in ihm steckt. Selten habe ich einen klareren und saftigeren Antrunk erlebt. Hochfeine, fast noble Fruchtaromen nach Streuobst, Aprikosen, Pfirsiche, etwas Litschi und Zitronen. Es wirkt bei aller Konzentration als wären die Früchte in eine wässrige Essenz eingelegt worden. Dies macht den Wein ungemein trinkig, transparent und frisch. Ja, so frisch wie ein leichter Sommersalat. Dabei hat er aber auch ungemein Grip, eine markante Säure und er ist lang und tief. Sein Spiel setzt sich bis zum Schluss fort. Für mich ein Tick über dem G-Max.
94 – 96+ Punkte, jetzt bis 2025

F.X. Pichler Unendlich, Wachau
Sofort als Wachauer-Wein zu erkennen. Deutlich kräftiger, kräuterwürziger und kantiger. Es duftet nach mediterianen Kräutern, warmen Rauch, Malz und einem ganzen Korb von kandierten Früchten – viel Marille, Mandarinen und Aprikosen. Man meint es zu riechen unter welcher gewaltigen Spannung der Wein steht. Konzentration pur. Dies setzt sich auch ohne Rücksicht im Mund fort. Dichter Körper, unglaubliche Konzentrat, zum zerreisen angespannt, sehr jung und unbeherrscht. Auf den allerersten Eindruck geht er mutigen Schrittes sofort an die Grenze der Trinkigkeit, kriegt dann mit einer überraschenden Eleganz die Kurve. Es bleibt sicherlich kein Wein für alle Tage, sondern eine fordernde Essenz für die Sinne. Schon alleine die Mineralik präsentiert eine grandiose Komplexität, Malz zum Lutschen, feiner Schiefer, tabakische Noten und warmes Kerzenwachs meinen wir zu erkennen. Danke der Frucht ist der Unendlich erstaunlich frisch, junge Steinfrüchte, etwas Zitrus und rotwangige Äpfel. Sie sorgen dafür, dass man sein Glas erstaunlich schnell geleert hat und man fragt sich wo nur die 15,5% Alkohol geblieben sind. Der Wein wirkt noch sehr jung und wird sich vermutlich noch weiter beruhigen und erst dann all seine Möglichkeiten offenbaren. Schon heute ein besonderes Erlebnis, insbeondere der wirklich erstaunlich lange Nachhall.
93 – 96+ Punkte, 2017 – 2027

* Zur Info: Halbblind meint, dass den Teilnehmern bekannt war, dass die Weine an diesem Abend irgendwann auf den Tisch kommen. Nur die Abfolge der insgesamt 13 Weine an diesem Abend war unbekannt.