Müller-Catoir Riesling Haardter Bürgergarten Spätlese trocken, 2007

Müller-Catoir Riesling Haardter Bürgergarten Spätlese trocken, 2007

2007-MCHBSLTr

Nach einigen Jahren Kellerruhe durfte dieser Wein wieder auf den Prüfstand. Diesmal zeigte sich das Gesamtbild deutlich weniger holprig – der Wein hat augenscheinlich inzwischen gut zu sich gefunden…

Im Glas eine tropische Nase nach Ananas und Aprikose, flankiert von Zitruszesten und würzige Anklänge, dazu Nuancen, die an steinige Mineralität erinnern. Diese Nase ist typisch Pfalz, etwas laut, aber dabei immer ansprechend.

Füllig und körperreich, leider leicht süßlich sein Antrunk, in dem erste Reifenoten integriert vorscheinen. Der Wein schiebt mit mächtiger Art durch den Mund, wird dabei aber von der saftigen Säure balanciert – allein der Alkohol sorgt ein wenig für Wärme. Wieder deutliche Mineralanklänge und dazu etwas vegetabile Würznoten, die wohl von der Frucht kommen und weniger vom Stein. Der Wein bleibt bis ins deutlich mittellange Finale druckvoll, das Zusammenspiel von Ananas, würzigen Noten, saftiger Säure und Steinigkeit gefällt hier. Düfte einige Jahre auf diesem Niveau bleiben – hat nunmehr volle Trinkreife (auch der Restschluck hielt sich noch einige Tage in guter Verfassung).

Ab Weingut gekauft, 15 Euro, 88 Punkte (sehr gut) , jetzt bis 2016

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Erstverkostung 11. November 2009

Ein Wein aus dem Hause Müller-Catoir stand jüngst zur Verkostung an, diesmal aber nicht ein Rieslaner, sondern ein Riesling, um ein kräftiges Fischgericht zu begleiten. Frisch geöffnet an einem Wochenendtag um die Mittagszeit, um für das Abendessen Korkfehlerfreiheit zu attestieren, zeigte sich der Wein infantil und eher abweisend, die Nase deutete eine ganz leichte Zitrus- und Hefenote an, dazu etwas Mineralität — im Glas blieb der Wein aber verschlossen. Das störte an dieser Stelle noch nicht, denn es blieb ja noch weitere Zeit bis zum Abend — obwohl mich schon hier der Gedanke beschlich, dass es wohl ein Fehler war, den Wein so jung zu öffnen. Nach einer Stunde in der Karaffe floss der Wein jedenfalls zurück in die Flasche und harrte dort ohne weiteres Probieren auf seinen abendlichen Auftritt.

Die hierfür aus dem Schrank geholten Gläser wurden zu Fehler Nummer 2 — denn die großen Bordeaux-Gläser, die ich eingedeckt hatte, betonten seinen Alkohol derart stark, dass es kein Vergnügen zu werden schien. Also, zurück in etwas kleinere Gläser und alles wieder auf Anfang — und das tat dem Wein auch gut: Helles Strohgelb, in der gegenüber dem Mittag etwas präsenteren Nase nun überraschend deutlich erdige Töne und Apfel, sehr dezent dahinter noch ein Hauch Aprikose. Die Zitrusnote vom Mittag war gänzlich verschwunden; nasal war nur ein leichter Alkoholton vernehmbar, viel angenehmer als noch in den großen Gläsern. Im Mund mit mittlerer Dichte, eher kräftige Stilistik, „mit sehr wenig Frucht“, d. h. hier mit deutlich erdigen Noten und nur ganz leicht etwas Apfel. Der Wein hat eine sehr fein ziselierte Säure, am Gaumen zeigt sich ein leichter Schmelz. Mittellanger, geschmacklich ganz leicht vom Alkohol beeinträchtigter Abgang, auch hier wieder erdige Noten. Ansprechend, aber etwas anstrengend zugleich.

Die Flasche wurde zu drei Vierteln leer — und Fehler Nummer drei stand uns nun unmittelbar bevor: Wir hätten den Wein besser austrinken sollen, denn der Rest zerfiel über Nacht in der Flasche leider gänzlich in seine Bestandteile. Was wiederum die These des „zu jung geöffnet“ wieder etwas in Frage stellte. Ich kann es an dieser Stelle wirklich nicht abschließend beurteilen, somit wird auch bei der nächsten Flasche wieder gelten müssen: Alles auf Anfang. Offen probiert, eine Stunde karaffiert und nach drei weiteren Stunden getrunken.

Ab Weingut gekauft, 15 Euro, 85 Punkte (sehr gut) am Ende des ersten Abends, ab 2010