Roger Sabon Chateauneuf du Pape Cuvée Prestige, 2003

Roger Sabon Chateauneuf du Pape Cuvée Prestige, 2003

2003-sabon-prestige6Diesen Wein müssen wir wohl mitten aus dem Winterschlaf gerissen haben. Denn am ersten Abend zeigte er sich unnahbar und verschlossen, weshalb der bereits einige Stunden dekantierte Wein, begleitet von enttäuschten Blicken, wieder zurück in die Flasche musste. Geduld war nun angesagt, ob er noch einmal aufmachen oder sich gänzlich ins Nirvana verabschieden würde. Er entschied sich für ersteres, was aber weitere zwei Tage dauern sollte, dies bei einer zu ca. zwei Drittel gefüllten Flasche. Anders als bei anderen Chateauneufs aus diesem Hitzejahr sehe ich bei diesem Wein ein gutes Reifungspotenzial, seiner rumtopfigen Noten mit 14,5 % Alkohol zum Trotze.

Im Glas ein fast ins Schwarze gehendes Purpurrot. In der Nase Schichten von reifen dunklen Früchten (Blaubeeren und Brombeeren dominieren), darunter Rumtopf, kräuterige Töne, dann Teer und auch pralle Schwarzkirsche, umrahmt von einer deutlichen Bitterschokoladenote. Die drückende Nase hat viel Kraft, bleibt aber dennoch noch frisch genug, um Vorfreude auf den ersten Schluck zu wecken. Voller Körper, trotz seines seidigen Mundgefühls mit fester Struktur, im Mund nicht besonders hitzig, sondern üppig und dunkelfruchtig, mit einer sehr präsenten Säure, die sich erst mit einiger Zeit der Belüftung (zu Beginn des dritten Tags) besser integriert hat. Im Abgang likörig wärmend, viel Bitterschokolade und dunkle Frucht, dazu ein feines, aber noch sehr präsentes Tannin. Mittellang bis schon lang. Wirkt aber noch etwas undifferenziert am Gaumen.

Ein schlankes und trinkiges Tröpfchen wird er wohl auch mit Reife nicht werden, er hat aber sehr gute Anlagen. Taugt für kalte Wintertage, aber erst im zweiten Drittel des nächsten Jahrzehnts. Offen getrunken, seit 60 Stunden offen, zu Hause.

Im Fachhandel, 31 Euro, 91+ Punkte (ausgezeichnet), 2012-2017