La Petite Eglise Pomerol, 1996

La Petite Eglise Pomerol, 1996

Animiert durch eine sehr schön Probe von Guido mit Zweitweinen aus diversen Bordelaiser Chateaus, habe ich mit der Zeit einige kleinere Gewächse aus großen Chateaus in meinem Keller versammelt. Heute an der Reihe war die kleine Kirche von Chateau L’Eglise Clinet aus Pomerol. Getreu nach der Bordeaux-Regel „Kaufe große Weine aus kleinen Jahren und kleine Weine aus großen Jahren“ nahm ich mir den Jahrgang 1996 vor. Die ebenfalls vertretenen 1995 und 1998 sollen besser noch ein wenig lagern.

Die Petit Eglise ist genau genommen gar kein Zweitwein, die Trauben stammen von einem eigenen, noch etwas jüngeren, nur 6 Hektar großen Weinberg neben den großen Rebflächen des Chateaus. In Berührung mit dem Grand Cru kommt der Wein nur in der fünzigprozentigen Zweitbelegung in Fässern aus Alliereiche. Er besteht reinsortig aus Merlot und hat den Ruf, schon früh trinkreif zu sein — was zumindest ich keinesfalls bestätigen kann. Doch fangen wir von vorn an.

Im Glas rubinrot mit dunklen Reflexen, klar und glänzend, orange zum Rand auslaufend, ein erster dünner Wasserrand. Schon die Nase gerät ins Schwärmen — duftige, dunkle Kirschen und Pflaumen, eine süße, fast etwas cremig wirkende Frucht mit einem Hauch von dunkler Vanilleschote und Holzwürze, auch etwas Mineralität. Die Primärfrucht dominiert, wie bei einem jüngeren Wein; gar nicht wie bei einem solchen macht aber auch der Aromakern schon richtig auf.

Die Nase ist schön. Doch was im Mund passiert, ist noch besser. Wieder die Fruchtaromen, die Kirsche erinnert etwas an Amarena, dazu kommen erste pilzige Reifearomen. Die Säure ist weich, hat aber noch ordentlich Saft. Auch das Tannin ist bereits angeschliffen, aber noch knackig. Das Finale machen vor allem die tertiären Töne, die zusammen mit den feinen Tanninen in einen schon ansatzweise langen Abgang gleiten.

Insgesamt ist die »Kleine Kirche« ein überraschend trinkiger Wein, der dabei aber doch ein feines Spiel mit Mineralität und Reife bietet. Ebenso erstaunt hat mich, dass er gerade erst aus seiner Jugend herauswächst. Angemerkt sei, dass der Wein sieben lange Stunden im Dekanter belüftet wurde und dann zurück in die Flasche dekantiert wurde. Nach einigen Erfahrungen mit einem La Petite Eglise 1995 wusste ich, dass dieser Wein nach Luft schreit. Wer noch ein bisschen Kraft mag, erwischt ihn schon jetzt zu einem guten Zeitpunkt. Weitere fünf und mehr Jahre werden ihm aber ganz sicher nicht schaden.

Vom Fachhändler, 24,90 Euro, 90 Punkte (ausgezeichnet), 2010 bis 2015