Charles Smith Wines Riesling „Kung Fu Girl“ Columbia Valley, 2009

Charles Smith Wines Riesling „Kung Fu Girl“ Columbia Valley, 2009

Diesen Wein habe ich auf besonderen Wunsch von Guido noch einmal besorgt. Während meiner letzten, einwöchigen Reise hierher im März war ich im Bio-Supermarkt über eine Palette dieses Weins gestolpert. Und warum habe ich ihn gekauft? Wegen des Namens und des Etiketts natürlich! Die (gefühlte) Diskrepanz zwischen Aufmachung als Markenwein zur Reisschale einerseits und dem dann doch zum zumindest kurzen Nachdenken anregenden Preis andererseits hat mich damals dermaßen verstört, dass ich direkt zugegriffen habe. Zu einer Verkostungsnotiz hat es aber auf jener Reise nicht gereicht, daher hole ich dies nun nach.

Charles Smith – das weiß ich mittlerweile – ist in den USA nicht irgendwer. Er hat z.B. 2009 von „Food and Wine“ die Auszeichnung „Winemaker of the Year“ erhalten. Ein Besuch auf der Website ist ein Erlebnis: Das ist reiner Rock&Roll. Aus der gleichen Linie und in gleicher Aufmachung gibt’s da unter anderem auch noch einen Chardonnay „Eve“ (mit angebissenem Apfel auf dem Etikett), einen Syrah „BOOM BOOM!“ (mit Bömbchen) und einen Merlot „The Velvet Devil“ (mit Dreizack). Ich werde berichten.

Der Beschreibung zum Kung Fu Girl entnehme ich, dass dieser Riesling in einem gut zehn Jahre alten Weinberg wächst, dem „Evergreen Vineyard“, der demnächst nicht mehr zu großen Columbia Valley AVA in Washington State, sondern zur neu gegründeten AVA The Ancient Lakes gehören wird. Steil über dem Columbia River gelegen und daher relativ kühl, besteht der Evergreen unter anderem aus Basalt und Kies. Gelesen wurde Ende Oktober, ausgebaut ist der Wein mit 14g Restzucker und 12,5% Alkohol. Ausgeliefert wird mit Schraubverschluss.

Junge Nase, noch leicht hefig. Sehr fruchtsüß, fast schon schwer; dennoch Riesling, wie er sortentypischer kaum sein kann. Zitrus, Pfirsich, cremig, mit Luft entwickelt sich eine leichte Mineralik, der aber derzeit von der bombastischen Frucht die engen Grenzen aufgezeigt werden. Im Mund eine kraftvolle Säure im Zusammenspiel mit der Fruchtsüße und dem auch deutlich spürbaren Zucker. Wieder sehr präsente Fruchtkomponenten (vor allem Pfirsich und Nektarine), die sich fast schon in Richtung eines Froop-artigen Kompotts entwickeln. Ich finde das etwas übertrieben. Im Abgang etwas gerbstoffig-kratzig und ganz leicht bitter. Vielleicht sogar mit einem Touch Alkohol?

Ich würde diesen Wein gerne in zwei Jahren noch einmal trinken. Ich finde ihn durchaus interessant, aber derzeit fällt er mir zu sehr in seine verschiedenen Komponenten auseinander: Fruchtkompott versus Säure-Gerbstoff-Struktur. Ein richtiges, schönes Gesamtbild ergibt sich im Augenblick nicht, ich traue ihm aber zu, dass sich das im Lauf der nächsten zwei Jahre noch entwickelt.

Aus dem Bio-Supermarkt, 13,99 USD, 84++ Punkte (gut), Ende 2011 bis 2013?