K Vintners „Guido“ Walla Walla Valley, 2007

K Vintners „Guido“ Walla Walla Valley, 2007

Manchmal bin ich einfach bekloppt. Da steht ein Wein in einem Laden herum, der den Namen eines der hier Mitbloggenden trägt, und deshalb und trotz seines stattlichen Preises und des offensichtlichen Kindermordes, der damit begangen wird, nehme ich ihn mit. Was tut man nicht alles, um guten Freunden zu zeigen, dass man an sie denkt… Und ich wollte ja auch was lernen, da bietet es sich an, mal was anderes zu trinken als immer nur halbtrockene Rieslinge und Pinots. Dieser hier besteht zu 80% aus Sangiovese und zu 20% aus Syrah. Holz galore und 14,5% Alkohol. Wie man vielleicht am Etikett schon erkennt, ist dieser Wein familiär verbandelt mit dem Kung Fu Girl Riesling von Charles Smith. Die Weine kommen aus dem gleichen Haus, werden aber unter zwei verschiedenen Imprints vermarktet: „K Vintners“ ist das ursprüngliche Projekt des ehemaligen Managers skandinavischer Rockbands, „Charles Smith Wines“ hingegen ist der Versuch, auch im Segment „Schneller Konsum“ anspruchsvolle Weine mit Charakter herzustellen.

Schwere Kirchenfenster. In der Nase Schokolade. Weihnachtliche Gewürze, Zimt, süße Kirsche und Pflaume. Erkennbar der hohe Alkoholgehalt, er wandelt auf einem schmalen Grat, etwas rumtopfig. Neben dem leicht schärfenden Einschlag jedoch auch eine kühlende Mineralik, Graphit, etwas Minze. Im Mund zeigt sich deutlich seine Jugend: Die Aromen sind noch nicht wirklich entwickelt, derzeit steht vor allem der Syrah im Vordergrund, der Sangiovese kann sich noch nicht so richtig zeigen. Wieder Schokolade, angenehm würzig, Pflaumenmus, wieder Weihnachtsgewürze. Aber keineswegs breit, sondern durch eine erfrischende Säure aufgefangen. Dahinter hängt noch so einiges, der Wein verbirgt sich derzeit vor einem, was ihn in gewisser Weise süffig macht: Man weiß, dass da noch viel kommt, es ist aber noch nicht richtig da, man schmeckt immer wieder ins Glas, findet nur Andeutungen, sucht, schmeckt, sucht… Wenn der Alkohol nicht irgendwann Überhand nimmt, wird das richtig gut. Schönes, feines Tannin, noch etwas stumpf natürlich, aber auch das wird nett.

Syrah ist nicht so mein Ding, und der Alkohol, der hier im Spiel ist, ist grenzwertig. Außerdem ist der Wein viel zu jung. Trotzdem gefällt er mir, weil ich glaube, dass es ihm in zwei, drei Jahren gelingen wird, den wuchtigen Syrah-Anteilen, dem hohen Alkoholgehalt und dem vielen Holz eine schöne Eleganz entgegenzusetzen: Säure, Mineralik, feine Frucht und gute Tannine. Acht Stunden in der Karaffe, recht kühl getrunken.

Vom Fachhandel, 53.- USD, 89++ (sehr gut), 2012 bis ?