Chateau Le Pey Cru Bourgeois Medoc, 2009

Chateau Le Pey Cru Bourgeois Medoc, 2009

Was bekommt man, wenn man in Deutschland einen Bordeaux in der Preisklasse unter 10 Euro erwirbt? Richtig, bestenfalls einen wunderbaren Kochwein. Immer schön rein damit in die Soße… Ausnahmen hiervon sind rar gesäht, zumal diese Preisklasse gerne im Supermarkt-bzw. Discounter verhökert wird – wo der günstige Preis auch meist mehr zählt als die Qualität des Gegenwertes… Aber genug der Vorurteile, denn von einer wohltuenden Ausnahme, die mir bei einer Händlerprobe vor einigen Wochen ins Glas kam (und danach ein Probefläschchen in den Korb), will ich hier berichten.

Von Weingut selbst hatte ich vorher noch nie gehört, was bei der Probe nicht schlimm war – denn der Wein kam blind, mit einem zwinkernden „probieren Sie das mal“ serviert. Auch das allwissende Google hilft mir nun nur beschränkt zum Ziel, ein Weingut, das scheinbar niemand kennt. Seit 1994 sei das Weingut als CB eingestuft, ernsthafte Reputation hat es nicht…

Dunkel, blickdichtes Schwarzrot mit lilafarbenen Reflexen. Die Nase finde ich zum Reinsetzen schön. Eine Melange aus Kaffee- und Karamelldüften und herbe Sahne kündet vom kräftigen, aber wohldosierten Holzeinsatz. Säuerliche Johannisbeere, Kakaostaub, frische Brombeeren und ein Anklang an Tabakkiste. So ungemein attraktiv, dass die Nase immer wieder zum Glas geht. Als käme man just in eine Mailänder Kaffeebar. Lecker…

Im Mund üppig mit verschwenderischer Brombeer- und Johannisbeerfrucht, etwas marmeladig, ein süßlicher Fruchtkörper mittlerer Dichte steht gegen harmonische, wenngleich aufgrund der Jugend noch zu  kräftige schmelzig-röstige Holznoten. Wieder Tabakkiste. Die Säure wirkt aktuell eher moderat, sie setzt noch nicht genug Akzente gegen den gekochten Fruchteindrücke. Am zweiten Abend herb bittere Noten am Gaumen, die aber am Folgetag glücklicherweise nicht mehr zu vernehmen waren. Unauffälliger Alkohol, die 13,5% sind bestens balanciert. Sehr gelungen ist das Tanningerüst, für einen Wein dieser Preisklasse fast schon nobles Tannin, sehr feinporig, nicht austrocknend, sondern stets eine elegantes Korsett für die Frucht. Knapp mittellanger, unentwickelt jugendlicher Nachhall.

Die Eindrücke im Mund haben sich im Verlauf der vier Abende (am dritten nicht probiert),  an denen ich den Wein getrunken habe, merklich verändert. Am besten gefiel mir diese Cuvée aus 55 % Cabernet Sauvignon und 45% Merlot ganz zu anfang (überbordernd) und am Ende von Tag vier (harmonisch), da hier die bitteren Anklänge, die sich im Verlauf des zweiten Abends zeigten, nicht mehr zu vernehmen waren.

Ob dieser Wein sich verbessert, wenn er reift? Eine berechtigte Frage – ich vermag sie nicht abschliessend zu beantworten.Weshalb ich auch etwas vorsichtig mit den Punkten bin, und ein Fragezeichen vergebe. Eigentlich alles dran, es war ein klasse Jahrgang, wenn sich nur noch etwas mehr Tiefe hinzugesellt mit Reife…?!  Luft tat jedenfalls gut. Und die Nase allein betrachtet hätte mehr Punkte verdient… allein die etwas zu fruchtsüße Art hindert mich daran, hiervon sofort eine Kiste in den Keller zu legen, die macht mich stutzig. Andererseits, wenn sich die Frucht etwas zurückzieht in den nächsten drei bis fünf Jahren…  Versuch macht wohl klug. Taugt im jeden Fall als Kochwein – und in dieser Verfassung geht er dann aber allein in den Koch.

Im Fachhandel, 8,50 EUR, 85 Punkte? (sehr gut), jetzt bis 2017

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