Richard Cheurlin Rosé Brut

Richard Cheurlin Rosé Brut

Ohne Gerhard Eichelmann wäre ich nie auf Richard Cheurlin gekommen. Der Autor des mit Abstand besten Champagnerführers kennt das Weingut seit fast 20 Jahren und ist voll des Lobes. Grund genug, der Sache auf den Grund zu gehen und selbst zu verkosten – vor Ort im Weingut in Celles-sur-Ource, denn im Handel ist das Sortiment schlichtweg nicht existent.

Die Anreise ist weit. Die Côte des Bar — immerhin noch anderthalb unspektakuläre Autostunden von der Champagne, wie wir sie kennen, entfernt — liegt schlicht am Ende der Welt. Doch die Fahrt lohnt sich, hier gibt es viel zu entdecken, neben einigen Nordsternen der Champagne (Olivier Horiot, Benoit Lahaye, Marie Courtin) und bekannten Qualitätsgaranten (Remy Massin, Vouette & Sorbée) auch Bio-Pioniere (Jean-Pierre Fleury), gefeierte Vin-Naturel-Winzer (Charles Dufour) und Newcomer (Petit Clergeot).

Man liest nicht viel über Richard Cheurlin, denn der Winzer tut, was er tut. Sein wichtigster Absatzkanal ist der Verkauf an Privatkunden, und seit rund 45 Jahren konzentriert er sich auf das, was ihm wichtig ist: das Produkt. Wie Gerhard Eichelmann verrät, arbeitet er akribisch daran und entwickelt sich ständig weiter. Inzwischen bewirtschaftet Cheurlin einen Großteil seiner Rebflächen biologisch und biodynamisch, die Trauben werden parzellenweise vinifiziert. Auf das Etikett schreibt er das nicht, auch eine Bio-Zertifizierung hat er bisher nicht für wichtig erachtet.

Ein Besuch vor Ort ist ein schönes Erlebnis und erfrischend authentisch. Man sitzt im Garten und verkostet, ohne Glitzer, Lametta, teure Autos, Chillout-Areas und was Champagner-Häuser sonst noch gerne so aufbieten. Champagner, na und? Das hier ist ein Landwirtschaftsbetrieb.

Meine Reise liegt nun schon ein paar Tage zurück. Heute im Glas habe ich den Rosé Brut — zur Nachverkostung, um zu schauen, ob mir bei der Weinprobe vor Ort zu trauen war. Der Wein besteht zu 100 Prozent aus Pinot Noir und hat vier Tage auf den Schalen vor sich hin mazeriert.

Die Party beginnt schon beim Einschenken. Der Schaum ist rosa wie Zuckerwatte. Der Wein ist eher rot als pink, erinnert mehr an einen Claret als an einen Champagner. In der Nase, wie zu erwarten, helle rote Früchte, Erdbeeren, Himbeeren, dazu eine Biskuitnote, ein Bouquet wie von Obstkuchen. Schon in der Nase hat der Wein Grip und etwas herbe Noten, und das gefällt richtig gut. Auch im Antrunk ist dieser Rosé Brut deutlich fruchtbetont, bleibt aber konsequent trocken. Das Extrakt ist allgegenwärtig, im Antrunk schmeckt es brausig, und es braucht keine Süße, damit es wirkt. Dazu hat der Wein eine schöne Säure und spürbare Tannine — wie sollte es auch anders sein bei so viel Farbe. Beides tut ihm gut und gibt ihm Struktur. Die immerhin 10 Gramm Dosage geben ihm Kraft und Substanz. Erstaunlich: Ein wenig Süße spürt man erst ganz zum Schluss hinter dem Kleid aus Frucht und Säure. Und tatsächlich, auch der Abgang kann sich sehen lassen, erst weit hinten fadet er durch die Dosage etwas schnell aus.

Wie ich das nun finde? Das ist richtig gut, wenn auch sehr eigen. Klar, übermäßig Komplexität sollte man nicht verlangen, aber das ist hier auch nicht Programm. Gerhard Eichelmann schreibt, dieser Rosé Brut soll vor allem Spaß machen. Und das tut er auch, garantiert — für Champagnertrinker (wenn sie bereit sind, etwas aus ihrem Erwartungskorsett auszubrechen) und auch für Nicht-Champagnertrinker.

Mit zunehmender Wärme fällt der Wein übrigens nicht in sich zusammen, seine 12,5% Alkohol treten nicht hervor, er wird immer weiniger und kann unverändert mit Genuss getrunken werden.

Dieser Champagner macht mich glücklich, weil er deutlich macht: Champagner ist nicht zum Nippen, sondern zum Trinken da, am besten in großen Schlucken, unbeschwert, gern auch mal zusammen mit Menschen, die sich nicht so damit auskennen. Dieser Champagner macht das möglich, weil er einfach jedem schmeckt und weil er unglaublich erschwinglich ist. Also: Legt Euch das zu und: Party on!


Gekauft habe ich den Wein ab Weingut für sage und schreibe 17,90 Euro. Im deutschen Handel scheint er leider nach wie vor nicht verfügbar zu sein. Hier findet man Richard Cheurlin im Web.

Warum sich ein Besuch im Weingut zusätzlich lohnt: Richards Tochter Lucie und Sohn Sébastien betreiben schon seit 2005 unweit von Vater Richard ihr eigenes Weingut unter dem Namen “L&S Cheurlin”. Der Stil ist deutlich anders, ernsthafter, komplexer, auch ansatzweise mineralischer. Praktisch: Man kann die Weine am Weingut von Richard Cheurlin gleich mitverkosten.

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