Probe zum Reifezustand Großer Gewächse Riesling von 2001 bis 2003

Probe zum Reifezustand Großer Gewächse Riesling von 2001 bis 2003

Kürzlich ergab sich die Gelegenheit eine große Bandbreite trockener Spitzenrieslinge von 2001 bis 2003 binnen weniger Stunden im Glas zu haben. Alle Weine wurden blind serviert, nach jedem Flight wurde aufgedeckt. Zehn erfahrene Rieslingfreaks trafen sich in Engelskirchen und steckten ihre Nase in insgesamt knapp 40 große Gewächse, getrieben von der Neugier wie sich die einzelnen Jahrgänge entwickelt haben und in welchem Reifestadium sie sich aktuell befinden. Es sollte so einige Überraschungen geben. Alle Notizen wurden vor dem Aufdecken verfasst….

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Bürklin-Wolf Riesling Gaisböhl Ruppertsberg G.C., 1998

Bürklin-Wolf Riesling Gaisböhl Ruppertsberg G.C., 1998

Tief gelbe Farbe mit grünen Reflexen, sehr klar und glänzend, enge gotische Kirchenfenster bildend. Aromatische Nase mit feinen Reifenoten. Reife, etwas mürbe Äpfel, Nektarinen und Zitruszesten, verbindet sich leichtfüßig mit einer grazilen Firnenote. Die gleichberechtige Mineralik nach erhitzem Stein, Grafit und Asche bringt Tiefe und Komplexität. Ohne Zeifel haben wir hier ausgezeichneten Riesling vor uns. Im Mund gar noch einen Tick besser. Perfekt gereifter, vielschichtig komponierter Riesling, dessen Aromatik nur eine längere Lagerung hervorbringen kann. So besitzt er noch hinreichend…

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Domaine Zind Humbrecht Riesling Clos Saint Urbain Rangen de Thann, 2007

Domaine Zind Humbrecht Riesling Clos Saint Urbain Rangen de Thann, 2007

Die Farbe ein mittleres, schimmerndes Bernsteingold. Elsass eben. Packender, komplexer Duft, der für deutsche Riesling-Nasen vermutlich etwas ungewohnt sein dürfte. Ich höre sie schon: kein Riesling, sofort die AP-Nummer entziehen, keine Sortentypizität – als hätte Deutschland ein Monopol auf DIE Rieslingaromatik. Nein haben wir natürlich nicht, denn genau hier haben wir Identität und regionalen Ausdruck im Glas. Genau so soll Elsass, ja Rangen de Thann riechen. Auffallend natürlich sofort der feine oxidative Einschlag, der Duft wird nicht von den üblichen…

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Chateau Haut-Bailly Pessac-Léognan, 1989

Chateau Haut-Bailly Pessac-Léognan, 1989

Recht dichtes Kirschrot mit orangen Reflexen am Rand. Die Farbe entspricht den Erwartungen an einen 20 Jahre alten Bordeaux. Die Nase zeigt mustergültig seine Herkunft mit deutlicher Holzwürze. Die Frucht erinnert in aller erste Linie an Schwarzkirschen, dahinter süße Himbeeren. Wie gesagt, die Holzwürze deutlich präsent, aber ungemein weich, elegant und fast nobel. Erinnert mich an Lakritz, warmen Rauch und Milchschokolade, hat jedoch auch einen Hauch derbe Anklänge von Leder und Waldboden. Leicht frucht-süßlicher, verführerischer Auftakt, mit viel Kirschkonfit und…

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Georg Breuer Spätburgunder „B“, 2006

Georg Breuer Spätburgunder „B“, 2006

Für einen Spätburgunder dunkles, intensives Kirschrot. In der Nase viel Kirschfrüchte (konfitürig), etwas Mandelsplitter und florale Noten im Hintergrund. Das Barrique tritt typisch Deutsch auf, also mit einer Menge herben Würze (Nelken, Kokos). Rauchschinken und dunkler Herrenschokolade. Elegant ist das nicht, aber etwas Spiel und Tiefe kann man nicht abstreiten. Warmer, fast pfeffrige Antrunk, von mittlerem Körper. Fein-fruchtiger Geschmack mit einer prägnanter Holzwürze und ein wenig zu sehr vom Alkohol getragen. Viel Schwarzkirschen, ein Touch Preisel- und Brombeeren, verbinden sich…

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Domaine de Chevalier Pessac-Leognan, 1989

Domaine de Chevalier Pessac-Leognan, 1989

An den Rändern ein altersgerechtes Ziegelrot, im durchscheinenden Kern ein mittelintensives Kirschrot, zarter Wasserrand. Zieht schöne gotische Kirchenfenster in der Glasinnenwand. Gänzlich aufgeblühte, wunderbar zarte Bordeaux-Nase. Noble Vielschichtigkeit der leisen Töne, kommt auf Zamtpfoten daher. Reife, rote Waldbeeren und Backpflaumen verwoben mit Rauch (erinnert irgendwie an versengte Textitien), Tabak und Teernoten. Letzeres sorgt für Kontur und Spannung. Nach einer Weile wird das Bukett noch um Leder und Schokolade ergänzt. Zum reinlegen. Am Gaumen ebenso zurückhaltend, von schlanker Statur, setzt voll…

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Bürklin-Wolf Forster Jesuitengarten G.C., 2002

Bürklin-Wolf Forster Jesuitengarten G.C., 2002

Mittelkräftiges, klares Goldgelb. Der Wein läuft fast ölig, breite Kirchenfenster bildend, an der Glasinnenwand herab. Dichte Blume nach sehr reifen gelben Früchten wie Pfirsich, Aprikose und Birnenkompott; leicht herber Einschlag. Daneben auch tropische Früchte wie Honigmelone und Mango. Die Botrytis wird deutlich anhand ausgprägter Anklänge nach Rosinen, ein Hauch Honig und Créme Brulée. Wirkt sehr konzentriert, aber wenig animierend, von Eleganz und Spiel keine Spur. Deutliche Restsüße im saftigen, fast viskosen Antrunk. Deutlich mächtiger Auftritt. Opulenter Körper von hoher Extraktdichte,…

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Emrich-Schönleber Riesling Monzinger Halenberg Spätlese, 2006

Emrich-Schönleber Riesling Monzinger Halenberg Spätlese, 2006

Anlässlich der Verkostung der Schönleber´chen Halenberg Spätlese 2010 in der vergangenen Woche fiel mir ein, dass dessen Jahrgangspendant 2006 seit geraumer Zeit Gast in meinem Keller ist und nur noch auf eine Gelegenheit zur Verkostung gewartet hat… Während nun der 2010er noch mit merklichen jugendlichen Noten nach roter Johannisbeere, Apfel und Rauch in der Nase aufwartet, gefolgt von einem mittleren Körper, in dem bereits jetzt neben der feinen Süße ein rauchig-mineralischer Felsen heraussteht, an dem die Säure anbranden und sich…

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Chateau Prieuré-Lichine Margaux, 2000

Chateau Prieuré-Lichine Margaux, 2000

Blutrot mit undurchscheinendem Kern. Gedämpfte Nase mit feiner Süße. Viel reife dunkle Früchte, balsamische Noten und eine eher elegante, nahezu schmeichelnde Kräuterwürze. Vielleicht ein wenig zu ruhig und unaufgeregt, gefällt mir trotzdem sehr gut und erfüllt meine Erwartungen an einem eleganten Bordeaux, schließlich sind wir im Margaux, ziemlich genau. Nicht sonderlich herausfordernd, aber es läuft mir das Wasser im Mund zu sammen. Also los: Herje, was für ein Saufwein – im allerbesten Sinne bitte. Ungemeim samtig und elegant läuft der…

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Chateau Larrivet-Haut-Brion Pessac-Leognan, 2000

Chateau Larrivet-Haut-Brion Pessac-Leognan, 2000

Ein Bordeaux für Kaffeeliebhaber! Rubinrot, geht zum Rand hin ins Ziegelrot über, schmaler Wasserrand, die Farbe zeigt erste Reife. Ein Duft wie in einer italienischen Espressobar nach mild gerösteten Arabicca-Bohnen, oder war es ein Wiener Kaffeehaus-Mocca? Einerlei, vermutlich beides. Im Hintergrund eine dezente Süße von dunklen Waldbeeren. Am Gaumen von mittelkräftige Statur. Im Antrunk zeigen sich die zart-süßen Fruchtaromen von Pflaumen, Brombeeren und Blaubeeren nur im Hintergrund und werden eine Nuance zu sehr von den Barriquetönen überlagert, hier hätte vermutlich…

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